Am siebten Tag führt der Weg an das große Wasser

Am Donnerstag, den 01.06.2017 wissen wir nicht so recht, was wir tun sollen. Wir fahren erstmal los und wollen uns unterwegs entscheiden, wo wir landen wollen. Da uns auf dem Weg nichts so recht anlachen will, entscheiden wir uns für 3 Stunden Fahrt insgesamt und wollen bis an die Küste fahren;

(dies bedeutet für alle, die es exakt wissen wollen, dass wir von der Marne via Aisne und Oise an die Somme fahren). Drei Stunden reine Fahrtzeit bedeuten etwa fünf Stunden Dauer insgesamt.

Bei dem herrlichen Wetter haben wir eine lange Pause mitten im Wald gemacht. Lustigerweise war dies reiner Zufall, denn wir haben uns auf der Suche nach einem Kinderspielplatz dermaßen verfahren, dass wir irgendwo im „circuit de la massif de clermont“ gelandet sind. Eine herrliche Waldlandschaft mit Bergen und Tälern und Serpentinen (Motorradfahrer hergehört!) – nur keinem Spielplatz außer dem schönsten und größten, den es gibt: den Wald.

Unser Ziel war theoretisch eine alte Abtei, umgebaut zu einem Ferien-, Pferde- und Wasserpark. Klang absolut traumhaft im Hinblick auf Merle. In der Realität war aber unser Stellplatz direkt an einer großen Transformatorstation. Es brummte, summte und piepte so penetrant, dass wir es dort keine fünf Minuten ausgehalten haben, an Schlaf gar nicht zu denken. Daher fuhren wir weiter zur 8 km entfernt gelegenen Cidrefarm von Robert Acoulon in Buigny-les-Gamaches – dem Tor zwischen Normandie und Picardie.

Da wir auf unserer letzten Fahrt schon die Erfahrung gemacht hatten, dass wir kein gutes Händchen für Übernachtungsplätze haben, wenn wir spät dran sind und uns umentscheiden, blieben wir hier, obwohl es nicht sehr einladend wirkte. 20 km von der Küste entfernt schlugen wir im übertragenen Sinn unsere Zelte auf und genossen einen herrlichen Nachmittag und Abend bei Sonnenschein und 25 Grad.

Die Patrone hier sprechen wieder nur französisch, aber diesmal haben wir ein recht gut ausgebautes Vokabular und können uns gut verständigen. Auch haben wir jetzt – Carrefour sei Dank – prepaid Internet und damit Zugriff zum Blog und insbesondere einem „Traduire-Programm“. Robert nahm uns mit zu einem kleinen Cidre-Tasting. Hier merkt man schon den Unterschied zwischen Weinbauern, die so etwas beruflich machen und einem sachlichen Rentner, der uns vorher fragt, ob wir demi-sec oder doux möchten und dann nur eine Flasche öffnet.

Wir kaufen einen süßen Cidre, der uns gut geschmeckt hat (und auch ein wenig nach Pferd) und einen Apfelsaft. Der Platz hier ist sehr nüchtern, wir merken, dass es den Gastgebern auf „Ordnung und Sauberkeit“ ankommt. Statt Spielplatz muss Merle nun mit englischem Rasen vorlieb nehmen und ließ sich gerne von uns durch eimerweise Wasser zum planschen ablenken.

Ich hatte hier dennoch das Gefühl, helfen zu wollen und dabei aus meiner Komfortzone heraus zu müssen. Ich fragte, ob ich das Angebot und die Hinweistafeln auf Deutsch und englisch übersetzen soll im Gegenzug für eine Flasche Calvados. Die Frau schien entsetzt ob meiner Forderung, fand es aber wohl eine gute Idee. Also verbrachte ich einige Zeit mit dem Übersetzen. Es macht mir Freude und nur selten musste ich ein Wort im Translator nachschlagen. Dabei achtete ich auf viele Feinheiten und formulierte freundlich, so dass man sich hier willkommen fühlen kann.

Am Abend gab ich die Übersetzung ab und bekam erstmal: – nichts -. Ich wollte meine Forderung aber nicht noch einmal in Erinnerung bringen, da ich denke, dass diese Übersetzung einen Wert hat, auch für unsere Gastgeber. Wenn diese meiner Leistung einen Wert von 0 Euro zuschreiben, sagt das viel über sie aus. Mir hat es in dem Fall dennoch Spaß gemacht und ich habe wieder viele Vokabeln gelernt. Karma wird´s richten.

Frage des Tages: Was ist meine Übersetzung unseren Gastgebern wert?

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