Auf einem Trampolin hüpft man selten allein

Wir sind von unserer kleinen Probetour mit dem Wohnmobil zurück. Lest hier, was wir alles an wichtiger Erfahrung mitgebracht haben.

In der zweiten Osterferienwoche war das Wetter in Deutschland grausig. Auch in der Umgebung, etwa 3 Autostunden in jede Himmelsrichtung sah es nicht besser aus. Wir haben bis einen Tag vor der Abreise nicht gewußt, wo wir hinfahren werden. Das hat ganz nebenbei unsere Spontanität und unsere Kreativität erheblich geschult. Wir wussten ja nicht, ob es an die Mosel, die Mecklenburger Seenplatte, ans Meer oder in die Berge gehen wird. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist ein solcher Zustand nicht immer leicht auszuhalten. Wir haben uns dann für den laut Wetterprognosen sonnigsten Ort entschieden: Domburg in den Niederlanden.

Ohne zu Reservieren sind wir losgefahren und haben uns spontan für einen kleinen Bauernhofcampingplatz direkt am Meer entschieden. Wir haben hier unsere Intuition wählen lassen. Damit hatten wir auch im letzten Jahr gute Erfahrungen gemacht. Wir standen gut, günstig, sonnig, grün, mit Meeresrauschen und kleinem Spielplatz. Die Stadt war in Laufreichweite, der Strand direkt vor der Tür, jede Menge Ausflugsziele und Bauernhofläden um uns herum. Wir haben unseren kleinen Trip sehr genossen.

Am dritten Tag hat unsere Kleine dann sich erstmalig getraut, gemeinsam mit größeren Kindern auf dem Trampolin zu spielen. Sie selber kann noch nicht hüpfen, aber das tat ihrem Spaß keinen Abbruch. Doch irgendwann wurde es zu wild, die größeren hatten sie übersehen und schwupp – sie lag weinend auf dem Trampolin und wollte sich nicht wieder beruhigen. Wir haben dann den Krankenwagen gerufen und fuhren in das Krankenhaus in Goes, wo sie untersucht wurde. Der Arzt konnte nichts feststellen und wir fuhren beruhigt wieder zurück.

Aber am nächsten Morgen beruhigte sie sich wieder nicht. Da sind wir dann wieder nach Goes gefahren und wurden nochmal im Krankenhaus vorstellig. Diesmal wurden Röntgenaufnahmen gemacht und siehe da, das Bein ist zweifach gebrochen. Eine „typische“ Trampolinfraktur. Merle bekam einen schicken lila Gips, mit dem auch Schmerz und Weinen fast sofort aufhörten und wir fuhren heim.

Die nächsten Tage zeigten, dass kleine Kinder mit so einer Situation besser umgehen können als wir Eltern. Währen wir uns noch den Kopf zerbrechen, was wir alles hätten besser machen können, macht ein Kind einfach weiter und akzeptiert die Situation so, wie sie ist. Da konnten wir beide viel von Merle lernen.

Für unsere große Reise in diesem Jahr wissen wir nun, dass es wichtig ist, die Notfallnummern des jeweiligen Landes zu kennen. Die Verständigung im Krankenhaus auf Englisch verlief problemlos und auch in anderen Ländern ist die medizinische Versorgung auf einem guten Niveau. Wir haben nochmal den Auslandsreisekrankenversicherungsschutz gecheckt und unseren „Notfallkoffer“ an Medizin aus dem Vorjahr hervorgekramt.

Persönlich habe ich gelernt, dass das Aufschieben von Wünschen auf später zur Folge haben kann, dass diese Wünsche nicht mehr erfüllt werden. An dem Tag, an dem wir nach Hause gefahren sind, war eigentlich mein „Strandtag“ geplant. Einen Tag mit Sand und Meer, auf den ich mich riesig gefreut hatte – und der dann sowohl wegen des Gipsbeines, als auch wegen einer beginnenden schweren Erkältung bei mir ins Wasser gefallen ist.

Pädagogisch diskutieren wir noch über diesen Vorfall. Wir möchten Merle grundsätzlich angstfrei erziehen; sie soll Fehler machen und sich auch mal verletzen dürfen. Aber gleich ein Beinbruch? Wir machten uns Gedanken, dass wir gut genug aufgepasst haben, aber wissen gleichzeitig, dass wir sie nicht vor allem beschützen können. Wahrscheinlich machen wir uns einfach viel zu viele Gedanken und sollten hier von Merle lernen, dass „alles kein Beinbruch ist“ und einfach weiter machen.

Eure
(immer noch erkältete) Nicole

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