Causeway Coastal Route oder: es wird very british

Der Morgen des Tages 56 war toll im Vergleich zum letzten Morgen. Es gibt Wolken und Sonne und zu Merles Glück trocknet der Spielplatz nebenan rasch.

Relativ trockene Spielplätze locken in Irland immer Familien an und so auch heute. Wir treffen die Familie von Peter aus Dublin, der als Charakter aus Terry Pratchetts Scheibenwelt am liebsten ein Igor wäre. Ich freue mich, dass außer mir überhaupt noch jemand die Welt auf dem Rücken der Schildkröte kennt und wir kommen ins Plaudern.

Nachdem sich Merle müde gespielt hatte, fuhren wir den Wild Atlantic Way bis zum Ende weiter.Zuerst biegen wir zum Malin Head ab, dem nördlichsten Punkt Irlands.Die Straße ist schmal und der einzige Parkplatz des Leuchtturms ist von Baumaschinen verstellt, die mitten in der Urlaubszeit Straße und Parkplatz erweitern. Daher bleiben wir nicht lange, drehen um und fahren weiter.

Nun sind wir also vom Leuchtturm Mizen Head, dem südlichsten Punkt, bis zum Leuchtturm Malin Head, dem nördlichsten Punkt gefahren.

Anschließend gehts weiter zum Magilligan Viewpoint, einer kleinen Passanhöhe mit einem wundervollen Blick auf die Küste Nordirlands. Die Straße auf den Pass ist toll, sehr schmal, aber immerhin ohne Grün in der Mitte.


Magilligan Viewpoint – Blick auf Nordirlands größte Sanddüne

Wir beschließen, nicht die Fähre zu nehmen, sondern die uns als schön angepriesene Küstenstraße entlang zu fahren. Wir beschließen, zum Mittagessen zum Doherty´s in Bridge End zu fahren. Auf dem Weg dorthin sind wir plötzlich in Derry, was sich in Nordirland befindet. Ohne es zu bemerken müssen wir die Grenze passiert haben und plötzlich sind alle Tempolimits und Entfernungen in Meilen angegeben.

Das Essen in dem Schnellrestaurant war nett, aber wir fanden es nicht so toll wie Tripadvisor. Anschließend ging es wirklich weiter nach Nordirland, wo wir der Causeway Coastal Route folgten. Wir sahen hier tolle Klippen, grüne Tafelberge, rauhe Steilküsten und weiße Strände am laufenden Band.

Im Örtchen Coleraine probierten wir einen britischen Einkauf im ASDA aus: juhu! Endlich gab es wieder Brillenputztücher zu kaufen – aber Apfelkompott kennt man auch hier nicht. Wir versuchten uns mit dem Bezahlen an einer Selbst-Schnellkasse, doch die Tücken dieser uns nicht vertrauten Technik holten uns ein: Ob du auch alles eingescannt hast, wird hier geprüft, indem du deinen Einkauf anschließend auf eine Waage stellst. Das geht aber nicht, wenn wir ohne Einkaufstüte alles wieder in den Wagen stellen wollen und Merle dazu noch auf der Waage herumhüpft. Das gab dann auch einigen Alarm im Laden und wir beschlossen: Nie wieder! Da ist uns ein Kassierer aus Fleisch und Blut doch lieber.

Wir wollten anschließend zum Giant´s Causeway, wie hier die berühmten sechseckigen Felsformationen genannt werden. Der Pendelparkplatz wäre kostenfrei, aber der Shuttleservice geht nur bis 18 Uhr. Das wäre kontraproduktiv für Fotos im Sonnenuntergang. Daher fuhren wir direkt bis zum Besucherzentrum, obwohl dort Schilder standen, dass alle Parkplätze voll seien und der Parkplatz 10 Pfund pro Person kosten soll.


Weg zum Giant´s Causeway – gut dass der Pendelbus keinen Gegenverkehr hat

Ein Mann in Warnweste und uns unverständlichem Nordirischen Akzent erklärte uns, dass wir auf den Parkplatz fahren und drehen sollen, da nichts mehr frei sei. Also fuhren wir drauf und ein weiterer Mann wies uns einen Parkplatz zu. Der Parkplatzpreis und der Eintritt in das Besucherzentrum sind miteinander kombiniert. Daher gingen wir in Richtung Klippen, ohne in das Zentrum zu gehen in der Hoffnung, so nicht zahlen zu müssen. Wir fragten einen weiteren Mann und dieser erklärte uns, dass beim Herausfahren kassiert wird.

Während des Gespräches wandte ich den Kopf gen Inland und sah, dass dort einer „ohne Licht“ kam. Eine riesige Regenfront, die langsam näher kam. Sollten wir dennoch die ungeschützte Küste entlang gehen oder nicht? Wir gingen ein wenig weiter zum Pendelbus, der uns für 1 Pfund pro Person fahren würde. Aber nur cash – und wir hatten nur Euro. Während Christian noch verhandelte, gingen die ersten tropfen nieder und wir beschlossen: ab zum Bus!


Weg zum Giant´s Causeway

Seitdem kennt Merle den Ausdruck „schnell s´laufen!“ und gibt ihn bei jedem Regenschauer zum besten. Wir kamen grad am Bus an, als der Platzregen losging. Was waren wir froh, dass wir nicht losgelaufen sind. Hier gibt es keinen Baum, keine Brücke, nichts zum Unterstellen – und wir hatten keine Jacken an.

Etwa eine halbe Stunde später hörte der Regen auf. Parkplatzeinweiser gab es keine mehr und der Platz hatte sich auch merklich geleert. Wir machten uns auf in Richtung Giant´s Causeway, als die Sonne wieder hervorbrach. Zu unserem Glück war es jetzt nicht mehr ganz so voll wie zuvor, wo busseweise Touristen aus aller Herren Länder an den Klippen unterwegs waren.


Giant´s Causeway – mein einziges Foto, da meine Kamera einen Speicherfehler hatte

Nach einem kurzen Spaziergang kamen wir am Causeway an. Leider konnten wir Merle nicht so spielen lassen wie wir wollten, da alles noch nass und glitschig war. Außer uns war kaum eine Handvoll Menschen hier, aber es wurden – Pendelbus sei Dank – stetig mehr.

Wir genossen diesen exotischen Anblick der kleinen sechseckigen Basaltsäulen und gingen dann weiter den Weg über die Shepherd´s Steps zurück. Oben bemerkten wir, dass Windel und Hose von Merle durchnass waren und wir keinen Ersatz dabei hatten. Also nix wie schnell zurück zum Auto.


Weg zum Giant´s Causeway

Wir nutzen aus, dass es derzeit keine Parkplatzwächter gab und fuhren wieder vom Hof und weiter bis zum Viewpoint vor Ballintoy. Dieser war zwar direkt an der kleinen Straße und daher etwas laut, aber von hier hatten wir einen schrecklich kitschigen Blick auf den Sonnenuntergang mit Meer, Sandstrand und Klippen.

Frage des Tages: Etwas, was es in Irland nicht gab und das wir (noch) nicht verstehen: Im Auto sitzen, „Take-away-Food“ essen, dabei Motor laufen lassen und aufs Handy gucken anstatt in den Sonnenuntergang. Warum?

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