Die Landung in der Normandie

Die nächsten drei Tage erleben wir endlich das Meer! Was will man mehr?


Freitag früh verlassen wir den Cidre-Bauernhof. Ich verabschiedete mich nochmal persönlich und es klärte sich die offene Frage von gestern: meine Arbeit von 1,5 Stunden war den Patronen nichts wert. Ich bekam nichts außer einem Winken aus der Ferne.

Wir haben im Anschluss lange darüber philosophiert – Über den materiellen und immateriellen Wert von einer Leistung:

Ich persönlich habe einen Unterschied gemacht zwischen Menschen wie diesen, denen Geld sehr wichtig ist (sie nahmen für jede Kleinigkeit extra Geld). Von denen hätte ich auf jeden Fall etwas materielles als Gegenleistung erwartet. Bei Menschen wie den bisherigen Gastgebern, die allesamt sehr freundlich waren und mehr gegeben haben als sie mußten, hätte ich eine solche Arbeit auch im Gegenzug gerne kostenlos erbracht.

Christian hielt dagegen, dass man keinen Unterschied machen sollte zwischen allen Menschen und dass gerade materiell eingestellte Menschen auch mal etwas geschenkt bekommen sollten. Was sie dann daraus machen, darauf haben wir dann natürlich keinen Einfluss.

Wie dem auch sei, ich habe viele Vokabeln gelernt, ich übersetze sehr gerne (und auch gut, wie ich finde) und habe viel Stoff zum Nachdenken und Philosopieren mitgenommen. Dafür war es das schon wert.

Wir fuhren in Richtung Meer, nach Cayeux-sur-Mer. Eher unfreiwillig, denn wir hatten uns etwas verfahren. Dort machten wir Mittagspause direkt in der Stadt am Strand. Es war sehr heiß und wir gingen über den Steinstrand in die Nordsee. Es war herrlich erfrischend. Der Strand war sehr flach; es war Ebbe. Merle konnte nach Herzenslust spielen, toben und planschen, Muscheln sammeln, Würmer-Häufchen bewundern und vor einer kleinen Qualle schreiend auf den Arm hüpfen.

Am Horizont türmten sich die angekündigten Gewitterwolken auf und in der stehenden, schwülen Hitzeluft trockneten wir alle recht schnell. Während Christian ein paar Fotos schießen ging, spielten wir in den warmen Steinen. Ganz plötzlich kam Wind auf und die ersten Tropfen  fielen.

„When in Rome, do as the Romans do“ – die Einheimischen brachten ihre Sachen ins Trockene, obwohl es nicht nach viel Regen aussah. War aber viel, merkten wir dann. Mit Merle auf dem Arm rannte ich zur nächstgelegenen Unterstellmöglichkeit: Einen Hüttchen auf einem Spielplatz. Dort verbrachten wir dann etwa 10 Minuten im Platzregen, bevor es genauso justament aufhörte wie es begann.

Als Tagesziel hatten wir aus der Not heraus einen wunderschön gelegenen Campingplatz in Mers-les-Bains mit direkter Aussicht auf die wunderschönen weißen Klippen von Le Treport für uns entdeckt. Mal wieder Zufall, denn unser Etappenziel von France Passion hatte an diesem Wochenende keine Zeit und wir hatten keinen Internetempfang, so dass wir uns nur die Auswahl der Offline-Navigation als Hilfe eingefallen ist. Und wieder erwies sich ein kleines Malheur als ein glücklicher Zufall.

Vom Campingplatz oben auf den Klippen konnten wir einen wunderschönen kleinen Spaziergang in die Stadt machen, die Uferpromenade entlangschlendern und in der Fleischerei „Peters“ auf dem Hin- und Rückweg für Merle Würstchen für den unbedingten Sofortverzehr (sonst drohte akutes Verhungern, wenn man den „Wuaast“-Liedern glauben schenkt).

Wir genossen warme Duschen, einen lauen Grillabend und einen schönen Sonnenuntergang bei drohend aufziehenden neuen Gewitterwolken. Wir sind gespannt auf den morgigen Tag und haben noch keine Pläne. Theoretisch soll die Temperatur um etwa 10 bis 15 Grad fallen.

Frage des Tages: Kennst du einen geizigen oder materiell eingestellten Menschen (also jemand, der für alles einen Obolus haben möchte)? Würdest du ihm kostenfrei helfen? Wie würdest du dich ehrlich dabei fühlen, wenn er dir für deine Arbeit keine Gegenleistung gibt?

Ein Kommentar zu “Die Landung in der Normandie

  1. Calvin Schopenhauer

    Zu den Menschen, die sich lieber einen gesunden Zahn als einen Euro aus der Tasche ziehen lassen: Hoffnungen, daß diese durch „trotzdem-Wohltaten“ zur Besinnung kämen, halte ich für unbegründet. Es handelt sich nämlich um Geiz. Und der ist bewusst, Vorsatz. Beweis: man stelle sich vor, die Cidristen wären an Eurer Stelle gewesen – die Hölle wäre los gewesen. Sie wissen was sie tun. Es geht im Kern um etwas anderes: die Wortbrüchigkeit der Franzosen. Diese ist zu verurteilen. Nicht aber die an sich wertfreie Tatsache, daß sie Deine Übersetzungsleistung bestenfalls mit Worten lohnten. Sie sind den unter Entsetzen vereinbarten Calvados schuldig geblieben – alleine das ist ihre Schuldigkeit und das Ausbleiben der Erfüllung nun ihre zusätzliche Schuld. Diese neue Schuld wiegt ungleich schwerer, da es eine moralische ist, welche -wie alle moralische Schuld- die Geschädigten (mitunter schwer) beschäftigt (und ggf seelisch beeinträchtigt). Es geht hier weder um Calvados noch bloßen Undank, über den man sich kaum noch beklagen darf, da man sonst, solange man mit Menschen zu tun hat, ohnehin zu nichts mehr käme. Es ist natürlich eine verdammte Schweinerei (man sollte nicht versuchen, diese sich intern schön- oder kleinzureden), die man aber nicht in der gleichen Währung zurückzahlen darf. Vielmehr lerne man die Lektion des Typus und hoffe, nicht selbst auf den Irrtum des Geizes zu verfallen. Es gibt ohnehin eine höhere Gerechtigkeit, welche sogar bei der Strafe der Franzosen die zukünftig höheren Umsätze mit Engländern und Franzosen -Dank Deiner übel entlohnten Übersetzung- mit ins Kalkül ziehen wird. Alle Eure Haare sind gezählt. Ich wünsche Euch eine wunderschöne Reise!

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