Edinburgh

Am Freitagmorgen verlassen wir Mallaig. Die Straßen sind noch nass, aber das
Wetter ist herrlich. Wir haben Glück und fahren  der Schlechtwetterfront hinterher. Überall, wo wir
hinkommen sind die Straßen noch nass und häufig werden wir gefragt, ob wir sehr
nass geworden sind. Wir können das dann nicht bestätigen, da wir uns stattdessen eher fast einen Sonnenbrand geholt haben.

Die A830 von Mallaig nach Fort William ist eine herrliche Straße für
Motorradfahrer (wenn man grad keinen LKW vor sich hat). In Glenfinnan machten wir
gegen 10:30 Uhr eine kleine Pause und werden zufällig Zeuge, wie sich gegen 11 Uhr
der Jacobiter-Dampfzug, der so genannte „Hogwarts-Express“, über das Glenfinnan
Viadukt mit seinen bogenförmigen Pfeilern wandte, dampfte und schnaubte. Das ganze ist ein großes Spektakel, überall liegen Fotografen auf der lauer um den Zug aus dem bestmöglichen Winkel zu erwischen.
Hogwarts-Express

Hogwarts-Express

Anschließend geht´s weiter. Vor Kinlocheil wechseln wir auf die einspurige
Nebenroute A861, die sich am kaum erschlossenen Ufer von Loch Eil und Loch Linnhe
entlangschlängelt. In Corran nehmen wir die kleine Fähre zum Südufer und fahren
weiter. Wir lassen dabei Glen Coe links liegen und fahren die Küstenstraße A828
weiter in Richtung Oban. Vorher biegen wir dann auf die A85 ab und fahren über den
Pass of Brander nach Tyndrum.
In Tyndrum gibt es eine Art Ausflugs-Einkaufszentrum, auf dessen großem Parkplatz
sich ein Motorradtreff befindet. Die Straßen im Umkreis eignen sich hervorragend
für Motorradfahrer, sind kurvenreich und gut ausgebaut. Nach einer gelungenen
Pause fahren wir weiter durch den Trossachs Nationalpark bis nach Callander. Die
Landschaft ist lieblich und reizvoll, dabei aber bereits wieder recht touristisch.
In Callander wird der Gegensatz von den Highlands zum touristischen Nationalpark
noch deutlicher: es gibt hier sogar ein Rob Roy Besucherzentrum.
Burg

Castle Stalker

Wir finden eine Unterkunft in einem großen herrschaftlichen Haus und versuchen
nach dem Abendessen sowie am nächsten Morgen erfolglos, eine Unterkunft in
Edinburgh für die nächsten Nächte zu finden. Obwohl das Military Tattoo und Fringe
Festival bereits vorüber waren, konnten wir keine Unterkunft finden. Das Problem
war, dass die Stadt für die Nacht von Samstag auf Sonntag komplett ausgebucht war.
Unter der Woche  waren theoretisch viele Zimmer zu bekommen. Selbst in Callander,
nur eine Autostunde von Edinburgh entfernt, konnten wir nicht bleiben, denn auch
dort waren die Zimmer ausgebucht.
Hier kam uns Gevatter Zufall sowie die Offenheit und Spontaneität der Schotten zu
Gute. In einem Motorradblog habe ich vom Averon Guest House gelesen
(http://www.averon.co.uk), das über einen abschließbaren Hinterhof direkt im
Herzen von Edinburgh verfügt. Daher habe ich mit Alan, dem Eigentümer, telefoniert
und ihn gefragt, ob wir eine Nacht bei ihm im Hinterhof campen dürfen. Er
überlegte kurz und sagte, wir wären verrückt, aber es gehe ok. Wir freuten uns
riesig, ließen uns den Weg durch die Stadt beschreiben (große Stadt + kein Navi =
kein Problem mit einer guten Beschreibung!) und fuhren los.
Begegnungen

Begegnungen

Wir machten einen Sightseeingausflug über Stirling Castle, das genau so impossant
wie das in Edinburgh auf einem hohen Felsen über der Stadt erichtet worden ist.
Anschließend fuhren wir spontan nach Falkirk, um uns das Falkirk Wheel anzusehen.
Es handelt sich dabei um ein Schiffshebewerk, das wie ein Riesenrad mit zwei
Gondeln konstruiert worden ist. In den Gondeln können die Schiffe den
Höhenunterschied von 24 Metern überwinden. Das Schiffshebewerk ist touristisch
ausgebaut und wir konnten es sogar in Aktion sehen.
Falkirk Wheel

Falkirk Wheel

 Anschließend fuhren wir den uns beschriebenen Weg über die Autobahn nach Edinburgh. Dabei kamen Heimatgefühle auf, denn wir standen dabei im Stau – genau wie im Ruhrgebiet daheim. 😉
Im Averon Guest House angekommen stellten wir uns vor und wurden sofort empfangen
mit „Ach, ihr seid also die total verückten Deutschen, kommt rein.“ Auf dem
Hinterhof, der aus 4 kiesgeschotterten Parkplätzen bestand, schlugen wir unter
staundenden Blicken von Küchenhilfe und Zimmerfee unser Zelt auf.
IMG_1581

Zelten in der Stadt

Nach einer schönen heißen Dusche machten wir die Stadt unsicher. Unsere Unterkunft
lag in der Nähe der Altstadt und wir waren sehr beeindruckt von den alten Straßen
und Bauten am Grassmarket, die in mehreren Etagen teilweise übereinander gebaut
worden sind. Vor dem Schloss am Castlehill waren die Bauarbeiter gerade damit
beschäftigt, die Zuschauertribünen des Festivals abzubauen. Wir schlenderten über
die Royal Mile und wurden uns der Absurdität bewusst, vor 2 Tagen in den Highlands
keine Menschenseele gesehen zu haben und jetzt mitten im touristischen Trubel zu
sitzen. Der Gegensatz könnte größer nicht sein.
Großstadthektik

Großstadthektik

 Wir blieben noch einen zweiten Tag, machten eine Stadtrundfahrt mit dem
Sightseeingbus uns erklommen im strahlenden Sonnenschein Calton Hill, um einen
schönen Überblick über die Stadt zu bekommen. In der Dämmerung machten wir eine
geführte Nachtwanderung durch die Katakomben und den Friedhof. Die Abende ließen
wir bei unserem singenden Gastgeber Alan ausklingen, der mit altem schottischen
Liedgut ein Rest Schottlands in der überwiegend touristischen Hauptstadt aufrecht
hält.

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