Entscheidungen

Nachdem Christian mit den hiesigen sehr freundlichen und zuvorkommenden Autoklemptnern versucht hat, meinen korrodierten Starter am Motorrad zu reparieren, springt die Suzuki am nächsten Morgen ohne Probleme an.

Bei schönstem Sommerwetter ohne eine Wolke am Himmel geht es durch Durness und nach einem Einkaufsbummel dort bei Lidl weiter in Richtung Ullapool. Wir kommen an eine Abzweigung Richtung Handa Island und einer spontanen Eingebung folgend biegen wir auf die gewundene einspurige Straße ab. Wir landen in einem Örtchen namens Tarbet, der aus etwa 5 Häusern, einer reizenden Bucht und einen Fähranleger besteht.

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Einen besseren Platz zum Picknicken wird man schwerlich finden können. Es gibt neben einem Fischrestaurant und einer sauberen öffentlichen Toilette auch einen Picknickplatz mit Tisch und Bank hoch oben auf einem Felsen mit Blick auf die Bucht und Handa Island. Herz was willst du mehr.

Nach der Pause sprechen wir mit dem Fährmann und er erklärt uns, dass die Insel ein Vogelschutzgebiet ist und es dort einen schönen Rundweg gibt, der drei Stunden dauert. Da es schon Nachmittag ist entscheiden wir uns gegen einen Besuch der Insel. IMG_1062Stattdessen nimmt uns der Fährmann mit hin und wieder zurück, so dass wir eine herrliche kleine Bootstour genießen konnten. Auf dem Rückweg überließ er mir sogar das Steuer und ich fuhr die Minifähre zurück.

Im Anschluss entschlossen wir uns spontan, hier über Nacht wild zu zelten und schlugen auf der Klippe unser Lager auf. Mit Tisch, Bank, Waschmöglichkeit und Restaurant handelt es sich jedoch eher um wildes campen deluxe. Sonnenuntergang hinter Handa Island inklusive.

Am nächsten Morgen stärken wir uns an unseren mitgebrachten Vorräten und mit frischem Quellwasser zubereiteten heißem Kakao und weiter geht´s in Richtung Ullapool.

Wir biegen von der Hauptstraße in die einspurige B869 in Richtung old Man of Stoer ein. Eine herrliche kleine gewundene Straße mit vielen Steigungen, die von vielen anderen Motorradfahrern heute ebenfalls genossen wird, denn es geht die Hügel hinauf, in die Täler hinunter, vorbei an vielen traumhafen Lochs und der herrlichen Steilküste. Eigentlich war unser Ziel die Felsnadel Old Man of Stoer, die wir von Tarbet aus in der Ferne gesehen haben.

Allerdings kommt man mit dem Motorrad nur bis zu dem dazugehörigen Leuchtturm und da mein Motorrad dort nicht mehr ansprang, hatten wir keine Lust auf die 3 km zu Fuß bis zum Aussichtspunkt.
Stattdessen fuhren wir auf direktem Wege an Loch Assynt und damit auch an der malerischen Ruine des Ardvreck Castle vorbei in Richtung Ullapool. Die A837 ist gut ausgebaut und wird von den ortsansässigen Motorradfahrern auch gerne zum „speeden“ genutzt.

Ich dagegen konnte mich an den hohen lila getupften Bergen, dem stillen Wasser und dem blauen Himmel gar nicht sattsehen. Die Kulisse ist für mich „typisch schottisch“ wie aus der Werbebroschüre. Am nachmittag kommen wir in Ullapool, pittoresk mittem im Loch Broom gelegen, an und suchen ein B&B.
Wir finden per Zufall ein Bio-B&B, in der wir auch eine deutsche Wwooferin getroffen haben, die dort arbeitet und uns am kommenden Morgen das full schottish breakfast kochen wird.

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Leider hat das B&B keinen eigenen Parkplatz, so dass wir unser Gepäck komplett abrödeln mussten. Diese Zeit hat Christian genutzt, um mit meinem Motorrad die ortsansässige Werkstatt aufzusuchen, um meinen defekten Starter erneut zu begutachten. Die hiesige Werkstatt war zwar nicht so freundlich wie in Tongue, dennoch erhielt er Werkzeug und die Gelegenheit zu einem weiteren Reparaturversuch.

Anschließend trafen wir auf der Straße vor dem Hafen einen weiteren Motorradreisenden. Marco, ein Italiener aus London. Er erzählt uns von seinem Traum und wie er im letzten Jahr auf seiner Erfüllung hin gearbeitet hat. Sein Zimmer in einer WG hat er untervermietet und seinen Arbeitgeber hat er überzeugt, nur noch an 3 Tagen in der Woche zu arbeiten und das auch noch, von wo auch immer er möchte. IMG_1163Seine Reise durch Schottland auf einer Harley ist der Test für den Beginn eines nomadischen Lebensstils, den er fortan führen möchte. Marco ist ein wundervoller Mensch voller Ideen und der Fähigkeit, Menschen zu motivieren, an die Erfüllung ihrer eigenen Träume und Wünsche zu glauben. Er freut sich bestimmt sehr über euren Besuch auf seiner Webseite www.thejourneyofdreams.org. Wir verabschieden Marco, der zum Couchsurfen noch in die nächste Stadt fahren wird und beschließen beim Abendessen bei einem „Lager with black Currant“, unsere Wwoofing-Hosts Lorna und John auf der Isle of Lewis anzurufen.

Unser neuer Plan ist, die Fähre nach Stornoway am kommenden Morgen zu nehmen und zu ihnen zu fahren. John hat mehrere Garagen und Scheunen, so dass Christian in einer von diesen in Ruhe und mit dem notwendigen Werkzeug nach meinem Motorrad sehen kann. Da wir dort mehrere Tage bleiben werden, könnten wir uns im Zweifel Ersatzteile aus London schicken lassen. Gesagt getan, ich telefoniere mit Lorna uns sie freut sich sehr auf uns und bereitet schon mal die Fischerkajüte vor, in der wir übernachten werden.

Ein Kommentar zu “Entscheidungen

  1. Martin

    Hallo Nicole und Christian,

    es macht so viel Spaß, Euren Weg zu verfolgen! Herzlichen Dank für die Aufzeichnungen, die Bilder und die Filmchen. Ein bisschen hatte ich wirklich den Eindruck, als sei ich dabei gewesen.
    Ich werde Euch weiter „verfolgen“!
    Kommt gut nach Hause!

    Martin

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