Ferentino – Pompeji

Wir brechen am Morgen in Ferentino auf, nicht ohne noch einen Kaffee spendiert bekommen zu haben. Wir fühlen uns in Italien sehr wohl, denn wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Überall finden wir Gastfreundschaft und Großzügigkeit. Da wir vorerst genug von kurvigen Passstrassen haben, fahren wir in Richtung Küste.

Der Küstenabschnitt bei Latina ist so eben wie eine Butterfahrt nach Holland. Gerade Straßen haben aber ein anderes Nervpotential: bei jeder sich bietender oder auch nicht bietenden Gelegenheit überholende Italiener. Als Beifahrer recht spannend anzusehen und nach einiger Zeit erkennt man die Muster im Chaos.

Wir kommen an der Küste an und siehe da, der herausgesuchte Campingplatz – den wir nach 4 Tagen ohne Dusche dringend brauchen – hat noch zu. Die Saison startet hier erst im Mai. Macht nichts, fahren wir die Küste weiter herunter und schauen uns um. Die folgenden Plätze haben ebenfalls alle geschlossen. Kurz vor dem Ende der wunderschönen kleinen Küstenstrasse frage ich die „Polizia Lokale“, die am Straßenand steht und den Autofahrern, die sich hier mit 100 bei erlaubten 50 überholen nur freundlich zuwinkt, ob es hier einen PLatz gibt, der schon geöffnet hat. Ja, kein Problem. Etwa 100 Meter weiter bei Andrea könnten wir stehen. Wir fahren also dort hin. Der Platz sieht noch zu aus, nimmt uns aber freundlich auf. Wir sind die einzigen Gäste. Herrlich ruhig inmitten eines Naturschutzgebietes zwischen See und Meer gelegen mit subtropischer Flora und Fauna sind wir nun gelandet.

Erstmal duschen, die Chemietoilette reinigen, Wasser auffüllen, das Siphon abdichten, ein Eis essen und ab an den Strand. Niemand da. Ein einsamer Angler in dicker Steppjacke versucht sein Glück. Es sind 25 Grad im Schatten. Wir also erstmal mit den Beinen rein ins Meer. Toll. Wetter und Wasser wie an der Ostsee im Hochsommer. Merle macht ihre erste Begegnung mit Sand. Sie isst so viel davon, dass es uns nicht geheuer ist und wir lieber wieder zurück gehen und sie vor dem Wagen auf der Wiese „grasen“ lassen. Am Abend hatte sie dann eine ungefähriche allergische Reaktion auf Salz. Ok, das nächste Mal nicht so viel Sand essen und Steine ablecken lassen! 🙂

Und zu allem Überfluss bemerken wir, dass das randvoll gefüllte Chemieklo wohl auf den letzten Metern der ZUfahrt zum PLatz übergelaufen sein muss. Also wird das Klo gewienert und geputzt und es riecht immer noch. Oje – die Gülle ist auf dem Teppich ausgelaufen. Das hat uns noch gefehlt. Christian wienert und schrubbt den Teppich zwei Tage lang. Dazu brauchten wir aus dem Supermarkt desinfizierendes Putzmittel und Febreze. Daher fuhr mich die Tochter in ihrem SLK mit Hund und Merle in die nächsten Ortschaften und in drei Märkte, bis wir alles bekommen hatten. Nach zwei Tagen ist es so sauber wie in einem OP und man kann theoretisch wieder überall im Bus vom Fußboden gefahrlos essen.

Die Besitzer des Campingplatzes machen grad die letzten Renovierungsarbeiten am Platze. Sie nehmen sich dabei so viel Zeit wie sie wollen. Wir werden mit Mandarinen und Orangen aus Omas Garten beschenkt. Sie haben einen so intensiven Geschmack, wie man ihn in Deutschland von der Supermarktware überhaupt nicht kennt. Am nächsten Tag hatte Oma gedünstete Artischockenherzen für uns, die wir mit Penne in Olivenöl und Knoblauch angebraten haben. Famos.

Mit solch einer Gastfreundsachaft haben wir auf einem Campingplatz gar nicht gerechnet. Aber das ist wohl der Unterschied, ob man einen Gast hat oder in der Hauptsaison 800…

Nach zwei wundervollen Tagen, in denen ein Saharazyklon uns tollstes Wetter beschert hatte, fahren wir weiter Richtung Süden. Als wir durch den Ort fahren, hupen und winken uns die Arbeiter vom Campingplatz hinterher. Eine fast familiäre Atmosphäre.

Wir wollen Pompeji sehen und haben dort einen ganzjährig offenen Campingplatz im Internet ausgemacht. Dort halten wir auch. Verkehrsgünstig gelegen direkt an der Autobahn und der großen Durchfahrtsstrasse, die Bahnlinie geht praktisch durch die Toilettenanlage und die Touristenbahn Circumvesuvio ist 100 Meter entfernt. Aber es gibt auch viele gute Seiten: 50 Meter bis zu den Ruinen, 400 Meter zum Supermarkt und 800 Meter bis in die hübsche Altstadt mit einer grandiosen Basilika steht unser Reisemobil unter duftenden Orangen- und Zitronenbäumchen. An das ganze Gehupe und Tatütata gewöhnen wir uns aber recht schnell. Ist schon ein doller Gegensatz zum familiären Borgio Grappa an der Küste.

Wir bleiben hier mehrere Tage und mischen uns in die Touristenströme. Wir besteigen den Vesuv, den einzigen Festlandvulkan Europas. Wir besuchen die Ruinen von Pompeji am ersten Sonntag im Monat. Wie wir jetzt wissen, hat an diesem Sonntag jedes Museum in Italien freien Eintritt. Dementsprehchend voll war es auch, die Massen wälzten sich durch die engen Straßen der Ruine. Insgesamt war der Besuch jedoch eher enttäuschend. Etwa 3/4 der Ruinen waren wegen Baufälligkeit abgesperrt, der Zutritt zu einem Großteil der noch erhaltenen Villen und Zimmer war ebenfalls gesperrt. Aktuell können wir einen Besuch der Ruinen nicht empfehlen, erst recht nicht für viel Geld. Den besten Blick auf die Exponate hat man noch im Katalog, den man zum Besuch dazu bekommt…

Wir bleiben noch einen weiteren Tag, um mit Zug, Bus und Schiff die Amalfiküste zu bereisen. Der Zugang zu dieser wohl berühmtesten Küste Süditaliens ist zum Teil für Wohnwagen und Wohnmobile gesperrt. Warum, fragen wir uns und wollen hin. Nach zweitägigen Recherchen bei den Einheimischen und im Internet haben wir eine Möglichkeit für eine Schifffahrt gefunden, obwohl vor Mitte Mai hier kaum Fähren fahren. Ist halt noch keine Saison. Verstehen wir nicht, denn es ist voll wie auf dem Rummelplatz. Wir möchten gar nicht wissen, wie es dann hier in der Saison aussieht.

Der Zug fährt 500 Meter vom Campingplatz halbstündlich um viertel nach und viertel vor. Das ist aber nur eine grobe Richtzeit, wie wir herausgefunden haben. Wir steigen um voll in die lokale Bahn „Circumvesuviana“ ein und fahren nach Sorrento. Es geht sehr abenteuerlich los in einer graffitibesprayten Bahn, die bei uns im Leben nicht mehr hätte fahren gedurft, vorbei an abgeranzt aussehenden Bahnhöfen und mehr oder weniger schäbigen Vororten von Neapel. Die Fenster gingen nicht zu schließen und es war sehr zugig (haha Wortwitz!). Die Abteiltüren zu schließen wäre nutzlos gewesen, denn sie hatten eh keine Fensterscheiben mehr.

Nach einer recht eindrücklichen Fahrt gelangen wir nach Sorrento. Während ich nach dem richtigen Bussteig frage, fährt der Bus gerade vor Christians Nase weg. Der nächste soll in 20 Minuten fahren. 40 Minuten später geht es weiter. Die Straße führt über dutzende Serpentinen in atemberaubender Kulisse direkt am Meer entlang. Die Straße ist teilweise direkt in den Fels gehauen, teilweise steht sie auf Stützen am Berghang. Größtenteils ist sie für deutsche Verhältnisse eineinhalbspurig. Das hält aber die ortskundigen Busfahrer nicht davon ab, mit hohem Tempo zu fahren, die Kurven sehr scharf zu nehmen und laut schimpfend an entgegenkommenden Bussen vorbei zu fahren. Wahrscheinlich schimpfen die gar nicht, sondern grüßen sich auf ihre Weise nur sehr nett…

Eineinhalb Stunden und etliche graue Haare später, Merle hatte die ganze Fahrt über einen Riesenspaß, kamen wir in Amalfi an. Die Stadt ist hübsch terrassenförmig angelegt. Der Baustil eher maurisch geprägt und recht exotisch. Wir bummeln und essen das teuerste Eis unseres Lebens: 2 Kugeln für 6 Euro – und das mal zwei. Das ist der traurige Part der Reise: wenn man erlebt, dass man als Tourist nur ausgenommen wird. Es wird Zeit, dass wir wieder in weniger touristische Gegenden kommen! Wir buchen die Fähre von Amalfi nach Positano und erleben die amalfitanische Küste von der Seeseite aus in ihrer ganzen Pracht. Der laue Seewind braust uns um die Ohren und die Sonne lacht. In Positano angekommen klettern wir etwa 100 Höhenmeter die Straßen und Stiegen in die Höhe, um auf die Straße zu gelangen, von der uns der Bus wieder heim fahren wird. Man hat einen herrlichen Ausblick. Positano gefällt uns sogar noch einen Tacken besser als Amalfi.

Zurück mit dem vollbesetzten Bus und dem proppevollen Zug gehts nach Pompeji, wo wir uns ein kleines Dreigängemenü zaubern und anschließend satt und mit vielen tollen Eindrücken ins Bett fallen lassen.

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