first of all: no sports! (Saint Servan)

oder auch: dicke weiße Kerzen

Heute und die nächsten drei Wochen fällt das Wandern aus. Christians Fuß ist dick und bunt und er kann sich nur in einer Schiene gut bewegen.

Das bedeutet, dass wir noch viele Sehenswürdigkeiten auf ein anderes Mal verschieben müssen: den Tierpark, die Bergachterbahn, die Spanische Brücke, den Isaby-See, den Especieres-See, die Adlershow Donjon of the Eagles und natürlich die Cirque du Gavarnie, den Cirque de Troumouse und den Cirque de Estaube sowie den Pass Col d´Aubisque. Stattdessen ist heute der Sightseeing-Schlendermodus in Lourdes dran. Aber leider ohne Schlossbesichtigung (no Sports!) und ohne Lichterprozession (zu spät abends für Merle).

Wir fahren mitten in die trubelige Stadt mit den typischen engen Gassen hinein und finden gut ausgeschildert einen kleinen feinen (kostenpflichtigen) Parkplatz namens Merlasse in Steinwurfreichweite des heiligen Bezirks. Am Eingang musste Merle ihr Laufrad abgeben, aber das machte nichts. Wir hatten die Kirchen und die Wallfahrtsstätte fast für uns alleine, es war unglaublich. Anhand der schieren Größe der Plätze hier kann ich kaum ermessen, welche Besucherzahlen hier theoretisch in der Hochsaison vorherrschen, z.B. wenn Pfingsten ist.

Wir besichtigten die Mairä-Empfängnis-Basilika, die Rosenkranz-Basilika und die Grotte von Massabielle. Anschließend tranken wir von dem Wasser der heiligen Quelle (und füllen ein oder mehr Fläschchen davon ab) und besuchten das Bad. Merle und ich konnten in die „Bambini-Schlange“ und waren sofort an 3. Stelle statt lange warten zu müssen. Wir legten im Bad unsere Kleidung komplett ab und tauchten in das 12 Grad warme Wasser der Quelle hinein. Das ist ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Nicht erklärbar, nur erfahrbar.

Die Energie ist sehr friedlich und entspannt. Hier finden sich Menschen aller Herren Länder wieder und jeder reagiert anders auf diesen Ort. Ich erkläre Merle, dass hier alle an Gott glauben und das jeder auf seine Weise tut und alles für sich genommen seine Richtigkeit hat. Der eine legt sich auf den Boden, der andere betet, andere pilgern den Berg hinauf, andere tragen dicke weiße Kerzen und wieder andere laufen von Polen zu Fuß mit Led-Zeppelin-T-Shirt bis hierher und mir persönlich reicht es, ein guter Mensch zu sein. „Mama“ sagt Merle „Und ich glaube an Gott, indem ich bade.“

Da unser Parkschein nur 3 Stunden reichte, gingen wir anschließend wieder zurück zum Campingplatz. Wir wollen mit mehr Zeit wiederkommen, denn das bunte Treiben kann ich mir auch länger ansehen. Und wenn Merle etwas größer ist, kann ich vielleicht auch etwas mehr in mich gehen. Für heute und hier reichten 3 Stunden völlig, um den Rest des Tages in Ruhe genießen zu können.

Der Wetterbericht sagte für in 2 Stunden ein schweres Gewitter voraus, so gingen wir bei strahlend blauem Himmel baden und kamen eine Stunde später bei sich rasch zuziehender Bewölkung wieder aus dem Wasser. Dennoch hatten wir Glück und das Unwetter zog ein Tal weiter im Norden an uns vorüber und mehr als etwas Sprühregen bekamen wir nicht ab. Aber der Temperatursturz machte sich schwer bemerkbar. Heute waren es noch 30 Grad und morgen sollten es nur noch 15 Grad werden. Noch unvorstellbar, bis es sich abends rasch binnen zwei Stunden von 30 auf 20 Grad abgekühlt hat. Da froren selbst Merle und Christian ohne Jacke!

ganz christliche Grüße
eure Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.