Himmlische Pause

„Dich schickt doch der Himmel!“ – Eine Redensart, die jeder schon mal gehört hat und die immer mit etwas positivem verbunden ist. Uns ist das auch widerfahren – in Gestalt von Bogumila, einer Nonne des Ordens der Heiligen Katharina. Doch wie kam es dazu?

Wir kommen auf unserer Fahrt in Rößel an, einer kleinen Stadt im Ermland in Polen, an der Grenze zu Masuren. Es ist spät und wir benötigen einen Stellplatz. Es bietet sich, nach einer kleinen Rundfahrt durch die Stadt der Parkplatz vor der Burg an wo wir nach kurzer Rücksprache mit dem Parkplatzbetreiber auch stehen dürfen. Wir haben nach dem Abendbrot noch etwas Zeit und sehen uns in der Stadt ein wenig um. Zentraler Punkt ist neben der Burg die Peter & Paul Kirche, die wir von innen besichtigen möchten. Wir gehen zum Portal – leider geschlossen. Mist. Vor der Tür stehen noch eine Nonne und eine andere Frau die ins Gespräch vertieft sind. Ich entschließe mich, die beiden anzusprechen und mich nach den Öffnungszeiten zu erkundigen.
Die Nonne sagt in perfektem Englisch: „Kein Problem, ich habe einen Schlüssel und kann euch aufschließen, wenn ihr euch umschauen möchtet“. Ich bin mehrfach überrascht, zum einen mich so gut verständigen zu können und darüberhinaus über die Bereitschaft extra für uns noch mal aufzuschließen.
So kommen wir in den Genuss die Kirche für uns allein zu haben und mehr noch, eine Privatführung durch die Nonne, Bogumila, zu erhalten.

Nach dem Rundgang verabschieden wir uns für die Nacht.

Am nächsten Tag schlägt Nicole vor, uns hier noch mal nach einem Kinderheim und dessen Bedarf zu erkundigen. Gute Idee, also gehen wir noch mal zu der Kirche in der wir erneut auf Bogumila treffen. Wir berichten von unserem Anliegen und sie bestätigt uns das es ein Kinderheim in Rößel gibt. Sie lädt uns ein, uns ein eigenes Bild von dem Heim zu machen und instruiert einen Freund uns dorthin zu führen da sie selbst keine Zeit hat.

Wir hetzen hinter unserem Guide hinterher, der ziemlich flotten Schrittes vorauseilt und uns zu dem Heim führt. Dort angekommen, sind wir wieder einmal überrascht: das Heim ist in einem Top Zustand, frisch renoviert und mit vielen Dingen ausgestattet von denen „normale“ Jugendliche und Kinder nur träumen können. OK, hier ist unsere Hilfe sicher nicht notwendig.

Wir laufen zurück und beraten uns, wie das auf uns wirkt und was wir aus unseren bisherigen Erfahrungen in Sachen Hilfe für Kinder machen. Nach einigem abwägen des dafür und wieder fassen wir den Entschluss, das Geld einem Projekt an unserem Heimatort zukommen zu lassen. Denn letztendlich, so unsere Erfahrung, geht es den Kindern daheim auch nicht besser als den Kindern in den Ländern die wir bereist haben. Andersherum geht es den Kindern in den Ländern bisher auch nicht schlechter als bei uns zuhause. Also kann das Geld auch vor Ort gutes bewirken.

Mit diesen Erkenntnissen gehen wir zurück zu Bogumila und berichten von unseren Eindrücken. Wir kommen weiter ins Gespräch und im weiteren Verlauf schlägt sie schließlich vor, doch einfach ein wenig bei ihr und ihren Mitschwestern im Konvent zu bleiben. Platz wäre genug vorhanden.
Wir beraten uns kurz und beschließen das Angebot anzunehmen. Rößel ist zudem ein guter Standort um von dort aus einige Dinge (Masuren, Svieta Lipka…) in der Umgebung zu erkunden.
Wir werden in dem Konvent sehr herzlich aufgenommen, werden verköstigt wie die Könige und bekommen noch jede Menge mit auf den Weg für unsere Reise. Wenn wir hier länger bleiben, kommen wir nicht unter 5kg Gewichtszunahme davon. 🙂

Zusätzlich ergibt sich immer wieder die Gelegenheit für interessante Gespräche mit Bogumila, die wirklich eine Seele von Mensch ist. Dank ihr haben wir viele neue Aspekte und andere Sichtweisen auf einige Dinge bekommen über die wir noch viel nachgedacht und diskutiert haben.

Für den Sonntag Abend ist ein Orgelkonzert eines bekannten Organisten (Michael Dombrowski) in der Kirche geplant und da ich Orgelmusik sehr mag, möchte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. So verbringen wir schließlich 4 Tage in Rößel, machen Ausflüge, haben eine gute Zeit und eine neue Freundin in Polen gefunden.

Der Abschied nach dieser schönen Zeit fällt uns allen sehr schwer und etwas traurig setzen wir unsere Reise fort.

Wie gesagt, manche Menschen schickt der Himmel. Wirkich.

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