Long Way Down – Teil 3

Lofoten Teil 1

Der nächste Tag startet herrlich. Wolkenloser Himmel, morgens schon 25 Grad. Wir beratschlagen kurz und wollen wild am Strand in Haukland campen. Den Tipp haben wir in Sjöbakken von Susanna aus der Schweiz erhalten. Der Strand hat schon einen Preis gewonnen für den schönsten Strand Norwegens. Wir besuchen heute die Insel Vestvagöy, machen einen Abstecher nach Eggum, wo wir einen teuren großen Stellplatz (mit theoretischer Mitternachtssonne) finden und einen nach Ballstad, dem größten Fischerdorf der Lofoten. Das Dorf gefiel uns aber nicht besonders, daher fuhren wir in Leknes einkaufen (im Rema gab es den „Erdbeerwahnsinn“ – alles muss raus und wir haben 5 Schalen mitgenommen) und direkt weiter zum Strand.

Wir wollen dort den Nachmittag am Strand verbringen. Wir kommen daher so gegen 14:30 dort an. Theoretisch. Denn auf dem Weg dorthin ist die einspurige Straße bereits von parkenden Autos zugestellt und der Verkehr kommt weder vor noch zurück. Der Traktor des diesigen Bauern möchte zurück zu seinen Feldern und kommt nicht durch. Eine geschlagene halbe Stunde später sind wir am Strandparkplatz angekommen, der komplett zugestellt ist. Wir fahren daher weiter nach Uttakleiv, wo es aber nur einen trostlosen teuren Parkplatz ohne Strand gibt.

Daher fahren wir wieder zurück durch das Chaos und versuchen, einen Stellplatz beim Bauern zu ergattern (der eigentlich nur an Leute aus der Region vermietet). Auf der Suche nach ihm kam ich mit „Eingeborenen“ ins Gespräch. Man gab mir den Tip, ich soll einfach an der Straße in einem der Passing-Places parken (wie alle anderen auch). Ich antwortete „Das ist doch verboten“ und kam mir so schrecklich deutsch vor, als der Gegenüber nur die Achseln zuckte und sagte, dass das hier niemanden interessiert und niemand die Polizei rufen wird. Halteverbotsschilder sind genau wie in fast allen Ländern nur dafür da, damit jemand sagen kann: „Ich musste darauf hinweisen, dass man hier nicht parken darf“, falls mal etwas passiert. Das Schild bedeutet nicht wirklich, dass man dort nicht halten darf. Und wieder etwas gelernt 🙂

Nachdem ich endlich die Telefonnummer des Bauern hatte stellte sich heraus, dass das Netz hier so furchtbar schlecht war, dass Telefonieren absolut nicht möglich war. Ziemlich frustriert und genervt beschließen wir daher, etwas weiter außerhalb zu parken und zum Strand zu laufen und dort abzuwarten, bis der Mob wieder nach Hause gefahren ist.

Der Strand ist herrlich. Strahlendweißer Korallensand, flach abfallend in die Bucht, aus der kleine Wellen an unsere Füße heranrollen. Wir mussten hier die Erfahrung machen, dass es egal ist, wie sehr man auf Merle aufpasst, eigentlich sind hinterher immer alle Kleidungsstücke nass. Daher krabbelte sie irgendwann nur noch nackelig durchs Wasser. So viel Spaß machte ihr das, dass sie kaum ein Ende fand. Wir mussten sie zum Aufwärmen irgendwann aus den Fluten holen (unter großem Protest) und mit einem Ball ablenken. Formel:

Nasses Baby + Ball + Korallensand = in „Sticks-like-glue“-Sand paniertes Baby.

Der Korallensand ist so fein, dass er wirklich überall haftet und nicht abzubekommen ist. Es ist nicht wie an der Nordsee, dass man sich einfach trocknet und dann den Sand abrubbeln kann. Nein, er bleibt einfach wie Klebstoff an der Haut hängen und schleppt sich auch gerne mit ins Wohnmobil. Wieder was gelernt. Aber schön war´s!

Zu guter Letzt schenkten uns die norwegischen „Sandnachbarn“ noch ihre kompletten Grillreste. Die 2 Familien (etwa 10 Mann) hatten mit noch einer Familie gerechnet, die nicht erschienen ist. Daher hatten sie auf ihrem großen Stand-Gasgrill am Strand noch so viel Buletten, Gemüse und Brot übrig, dass wir drei kein Abendessen mehr brauchten. Was für ein Geschenk nach so einer stressigen Anreise!

Am frühen Abend leerte sich dann auch der Strand und wir fuhren auf den Parkplatz. Dort standen etwa 20 bis 30 Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte direkt hinter dem großen Schild „no Camping“. Oslo ist weit, und die Menschen hier sind sehr relaxt. Hier ist man sehr großzügig mit dem Auslegen von Regeln.

Es gibt zwei Plätze. Einen direkt am Strand und einen weiter oben mit einer tollen Aussicht. Wir beschließen nicht in den Trubel am Strand zu fahren und oben zu übernachten. Dies stellte sich im Nachhinein als Fehler heraus, denn zum einen kamen und gingen hier viele PKWs, zum anderen gab es hier in der Nähe ein „Fe-Rist“, englisch übersetzt „Cattle grid“, auf Deutsch wissen wir nicht, wie die genaue Übersetzung lautet. Vielleicht „Eisenstangen“ oder „Vieh-Rost“. Und jedes Mal wenn ein Auto dort drüber fährt, macht es ein lautes Geräusch. Merle schläft dementsprechend etwas unruhig.

Auch mit der Mitternachtssonne wird es heute nichts. Zum einen haben wir auch vergessen, Batterien zu kaufen und zum anderen kamen wieder die obligatorischen Abendwolken, die uns die Sicht versperrten.

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