Low-High-Low

Wir brechen nach der 2. Nacht bei Isobel zeitig auf und machen uns auf den Weg in Richtung Fort William.

Wir fahren wieder bei Regen los, jedoch ist der Himmel heute deutlich heller und es verspricht ein nicht ganz so nasser Tag zu werden. Wir wählen den Weg am Loch Awe lang, der Landschaftlich sehr schön ist.

Die Landschaft verändert sich auf dem Weg dramatisch, und wir erreichen gegen Nachmittag die Highlands. Wir fahren durch das wunderschöne Glen Coe, ein beeindruckendes Tal das zwischen steil aufragenden Bergen eingebettet ist. Die Straße durch Glen Coe ist sehr touristisch, stark befahren und alle Nase lang hält jemand irgendwo auf der Strecke an um ein Foto zu machen. Ich kann das gut verstehen, da die Lanschaft sehr sehr schön ist und die Schotten mit Plätzen zum Fotografieren geizen. Trotzdem ist das fahren dadurch sehr anstrengend, und wir sind froh als wir die Hauptroute verlassen können.

Die Nebenstrecke führt uns am Loch Leven entlang. Auf dem Weg gibt es Hagrits Haus (alle Harry Potter Fans wissen, was gemeint ist ;)…) zu besichtigen. Leider erfahren wir auch erst später davon, und so gibt es keine Bilder davon 🙂

Wir erreichen Kinlochleven, eine trostlose Arbeiterstadt in der der Hund begraben ist. Hier möchten wir auch nicht bleiben und fahren weiter um das Loch herum. Es ist Zeit, sich um eine Unterkunft zu kümmern, und so halten wir nach B&B’s ausschau, die noch nicht ausgebucht sind. Gar nicht so einfach.

Wir finden etwas am Ende der Straße, leider ist niemand im Haus, aber es hängt eine Telefonnummer an der Tür. Ich rufe an, und Tom meldet sich. Er sei mit dem Hund unterwegs, meint er. Wir sollten schon mal reingehen, das Haus ist offen und uns einen Tee kochen und das Feuer anmachen…

Soviel Offenheit ist für mich doch ein wenig befremdlich, und so fühle ich mich erst nicht so recht wohl das Angebot anzunehmen. Nicole ist da viel offener und hat schon die Schuhe aus und sucht den Wasserkocher… 🙂

Kurze Zeit später treffen Tom & Mairi ein, und der Empfang könnte herzlicher nicht sein. Wir treffen auf 2 ganz reizende Menschen (+ Sam, der Golden Retriever) die versuchen uns jeden Wunsch zu erfüllen. Wir sitzen mit den Beiden am Feuer und tauschen unsere Geschichten aus.

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Wir beschließen, hier 2 Nächte zu bleiben und verschaffen uns so die Gelegenheit für einen Wandertag in Glen Coe. Tom leiht uns einen Wanderführer und wir suchen eine für uns passend erscheinende Route aus.

Am nächsten Tag brechen wir Zeitig auf, da die Anfahrt zum Trail einige Zeit in Anspruch nimmt.

Wir haben etwas Mühe, den Einstieg zu finden, aber nach einigem Hin & Her finden wir doch noch den Anfang. Es geht gleich gut los: wir versinken bis zu den Knöcheln im Matsch. Grmpf. Gut, ist jetzt auch nicht zu ändern, gehen wir weiter. Nach einigen hundert Metern lieht ein totes Schaf auf dem Weg. Das hätte uns vielleicht als Warnung dienen sollen 😉

Wir sind nicht gut ausgerüstet (es fehlt eine gute Wanderkarte) und so finden wir trotz intensiver Suche nicht das gewünschte Ziel. Macht aber nichts, es war trotzdem toll. 🙂

Erschöpft und mit Muskelkater beschließen wir den Tag.

Nicht jedoch ohne ein wirklich dummes Mißgeschick von mir…

Ich schrotte aus Unachtsamkeit das Display des Navi. Es ist jetzt nicht mehr zu bedienen und damit ein ziemlich nutzloses Navi. 🙁 Mist. Alle sorgsam ausgearbeiteten Routen, alle mühselig recherchierten POI’s sind für die Katz. Supergroßer Mist!!!

Ich ärgere mich sehr über mich selbst und bin ziemlich down.

Nicole geht das ganze pragmatisch an, packt die Karten raus und schreibt ein Roadbook für den kommenden Tag. Da hat sie mir echt was voraus. Sie gibt nie auf, egal wie aussichtslos die Situation auch ist. Einfach eine tolle Frau. 🙂

Wir müssen den weiteren Weg also halt nach alter Väter Sitte fortsetzen. Mit den guten alten Karten auf dem Tankrucksack. Nicht ganz so komfortabel, aber es geht auch. Leider fehlt mir damit die Möglichkeit unsere Tracks aufzuzeichnen, also wird es ab dem heutigen Tag keine Tracks mehr zu Download geben. (…dann spare ich mir auch zunächst das fixen des defekten Plug-In’s… :)…)

Wir fahren von North Ballachulish in Richtung des Whiskytrails über die Cairngorm Mountains, eine wirklich kalte Gegend. (…die kälteste Schottlands)

Hier besichtigen wir unsere erste Destillerie und fahren dann weiter bis nach Pitlochry wo wir eine kurze Pause einlegen.

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Der Weg von Pitlochry nach Braemer ist ein wahres El Dorado für Motorradfahrer. Ich bin selten eine schönere Strecke gefahren und kann diesen Weg nur jedem ans Herz legen der in diese Gegen kommt.

Wir erreichen gegen späten Nachmittag Braemer und die obligatorische Suche nach einem B&B beginnt. Wir fahren wieder vergebens einige B&B’s an. Ich fahre schließlich bei einem B&B vor das noch offene Vacancie’s hat. Erst spät sehe ich das Schild „No Vacancies“. Mist. Ich sehe, wir von drinnen jemand winkt, und ich habe noch Hoffnung. Ein sympathisches junges Paar öffnet die Tür und fragt ob wir noch ein Zimmer suchen. Ich bejahe, und Julien erzählt mir eine unglaubliche Story:

Er und sein Frau haben das B&B vor 4 Stunden(!) erst übernommen und der Möbelwagen ist gerade weg. Wir seien die ersten Gäste und eigentlich wollten Sie noch nicht starten, aber wo wir schon mal da sind…

Na, da bleiben wir doch gerne und es stellt sich heraus, das es ein tolles B&B ist. Julien ist noch sehr nervös bei der Umsorgung seiner ersten Gäste, und es sind auch noch nicht alle Kartons verstaut. Das macht uns aber gar nichts aus, denn das machen die beiden durch Herzlichkeit & Engagement wieder wett. Die Zimmer sind tadellos, sehr luxuriös und das Haus hat schon eher Hotelcharakter.

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Wir werden noch zu einem kleinen Umtrunk eingeladen und wünschen den beiden alles Gute für den ersten Tag ihres neuen Lebens!

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