Toskana – Subiaco – Ferentino

Von Torre de Siena aus fahren wir die herrlichsten Strecken durch die Toskana. Leider ist es bewölkt und teilweise regnerisch. Ein Wetter, das wir seitdem wir Deutschland verlassen haben nicht mehr kennen. Von daher fallen auch die typischen Toskanafotos von lieblich geschwungenen Landschaften mit Pinien und Zypressen aus. Aber auch nicht nur deswegen. Es gibt in der Regel bei den herrlichsten Aussichten kilometerweit keine Möglichkeit anzuhalten oder zu wenden. Das ist irgendwie ein Fail in der touristischen Infrastruktur. Zumindest für Touristen wie uns. Für die Menschen die hier wohnen ist es vielleicht nicht mehr so spektakulär, mittelalterliche Altstädte und Burgen auf den Bergen oder typische mediterrate Landhäuser mit Zypressenauffahrten zu sehen.

Nicole sieht ein Schild in Richtung einer Thermalquelle. Wir drehen mühsam und folgen dem Schild, das „6 km geradeaus“ besagt. Nach etwa 10 km auf einer Schotterpiste gelangen wir zu der Ansicht, dass die Beschilderung auch hier zu Wünschen übrig lässt. Macht aber nichts, denn wir erhalten Gelegenheit, doch noch an das eine oder andere schöne Toskanafoto zu kommen. Denn ob wir hier auf der Straße anhalten oder nicht interessiert keinen – maximal die Reiter auf ihren Perden, die uns seltsam ansehen.

Wir fahren weiter zum kleinen Städtchen St. Quirino dell´ Orca und besuchen die hübsche Altstadt und die alten Kirchen. Dabei lassen wir dem Inhalt eines Reisebusses aus den USA den Vortritt und genießen derweil einen Cappucchino bzw. einen Tee. Anschließend hatten wir genug Muße für eine kurze Besichtigung in aller Ruhe.

Unser nächster Stop führt uns nach Bagno Vignola. Wir wollen jetzt doch einmal eine der hier überall sprudelnden heißen Quellen finden. Und wir werden diesmal fündig: Immer den Touristen hinterher. Wir finden ein altes Badebecken und in den Fels gehauene Kanäle, in denen warmes schwefelhaltiges Wasser fließt. Imposant, was die Menschen früher mit einfachen Werkzeugen hinbekommen haben und was auch noch nach Jahrhunderten Bestand hat. Von welchem modernen Bauwerk wird man das wohl später behaupten können?

Wir fahren weiter zum Bolsenasee. Es ist der größte europäische Vulkansee und atemberaubend schön. Natürlich wieder ohne die geringste Möglichkeit anzuhalten und ein Foto zu machen. Echt schade. Christian wollte auch unter gar keinen Umständen nochmal zurück fahren, denn die Straßen hier in Latium sind so denkbar schlecht, dass wir um die Stabilität unseres Gefährts fürchten. (…jetzt erklärt sich der Begriff „Rappelkiste“ ganz neu…) Die italienischen Verkehrsschildaufsteller müssen nach unserem Dafürhalten auch etwas getrunken haben, als wir auf einer Rumpelstrecke, die uns mit maximal 40 km/h tuckern lässt, ein Schild sehen, dass man hier nur 90 km/h fahren darf. Solche Schilder finden sich überall. Auch das Schild, das nach 10 km Serpentinenstrecke plötzlich sagt: Achtung kurvige Strecke. Ja nee is´ klar.

Unser Tagesziel ist der kostenfreie Stellplatz in Montefiascone. Das Fiasko ist dabei Programm: Durch das stundenlange Gerappel auf den Flickenpisten sind wir ganz schön abgenervt. Dann quietschen auch noch die Bremsen. Wir tippen auf Bremsscheiben vorne oder die Bremsbacken der Handbremse. Und auch Merle kann bei dem Gerappel nicht so viel schlafen wie sie eigentlich möchte und quengelt uns natürlich zu Recht die Ohren voll. Zu unserem Unglück hat der Platz keine Sicht auf den See, so dass wir ganz ohne den angestrebten Sonnenuntergang am See auskommen müssen. Das PLatz ist bei weitem nicht so pittoresk wie in Torre de Siena. Wohnmobile stehen im Kreis an einer dicht befahrenen Ausfallstrasse. Wir sind froh, den stressigen Tag bei Sonnenschein ausklingen lassen zu können und legen uns früh schlafen.

Am nächsten Tag gehen wir fix einkaufen und sehen das Schild „Bio“ – ah, ein Biomarkt denken wir uns und Christian geht Brot kaufen. Zurück kam er mit den Worten: „Brot haben die nicht. Ich hab‘ eine Flasche Wein mitgebracht.“ – So ist das Leben in Italien.

Wir machen uns auf nach Subiaco. Unser Weg führt uns um das quirlige Rom herum, das wir lieber später einmal als Städtereise besuchern wollen. Ich musste Christian versprechen, dass das erstmal die letzte Bergetappe bleiben wird, denn er hat von kuriven Passstrassen langsam die Nase voll. Also fahren wir die kurvigen Passstrassen hinauf, trinken einen Heißgetränk in der schönen ALtstadt von Subiaco und fahren weiter zu dem Benediktinerkloster, das hoch über der Stadt in den Fels gehauen worden sein soll.

Wir finden es kurz hinter der Stasdt und fahren bis zum „Basiskloster“ hinauf, um den Rest zu wandern. Merle in der Kraxe hatte sichtlich Spaß, wie ihre Eltern sich den steilen Berg hinauf mühten. Wir verstehen, warum die Menschen früher demütig am Kloster angekommen sein mussten: Es ist ganz schön steil. Touristen aus Deutschland fahren mit dem Bus hinauf, auf dem „Archäologische Exkursion“ steht. Wo es schön ist, finden wir auch immer busseweise Touristen vor. Und hier ist es schön. Das KLoster ist der Gründungsort des Benediktinerordens und lässt uns einfach nur ins Staunen verfallen. Praktisch in den Fels gehauen und mit Mauern versehen ist es von außen sehr urpsrünglich und natürlich. Von innen sind die Versammlungsräume von oben bis unten mit buten Bildern bemalt, die Szenen aus allen möglichen Bibelstellen darstellen. Unglaublich beeindruckt steigen wir einige Stunden später den Berg wieder hinab.

Wir fahren in den nächsten Ort, Fiuggi, auf dem ein Campingplatz sein soll. Ist auch einer da, aber der hat geschlossen. Toll. Es ist schon spät und wir brauchen dringend eine Dusche. Wir fahren einen Ort weiter. Nichts. Noch ein Ort weiter. Wieder nichts. 3 Campingführerapps zeigen entweder nichts an oder führen uns total in die Irre. Völlig am Ende halten wir vor einer Werkstatt in Ferentino und grübeln über unseren Apps.

Christian nutzt die Gelegenheit und fragt den Meister, der kein Wort englisch spricht, wegen des Bremsenproblems. Beide machen eine Probefahrt, von der Christian geläutert zurükkommt. Unfassbar, wie schnell man mit einem Fiat Ducato durch die engen Gassen fahren kann, ohne die Mauern zu berühren. Das Ende: Alle Bremsen taten, keine quietschte. Alles in Ordnung.

Zumindest etwas erleichtert halten wir an dem Supermarktparkplatz gegenüber, der uns als Nachtquartier vom Meister vorgeschlagen wurde. Aber hier haben wir beide kein gutes Bauchgefühl und so fahren wir um halb acht abends noch mal ein Örtchen weiter und hoffen auf ein Wunder.

Und es gibt eines: wenige Minuten später sehen wir ein Schild: „Restaurant Arcobaleno“. Wir beschließen, bei dem Regenbogen anzuhalten. Er liegt etwas abseits der großen Straße und abseits der Stadt. Die nette Besitzerin, Vittoria, freut sich und sagt sofort zu, dass wir dort stehen dürfen. Wir essen dort abends noch eine superleckere Pizza mit Nachtisch, zahlen unter Protest weniger als auf dem Zettel steht und fallen dankbar in unsere Betten.

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