Ungarn

Von der Schokoladenfabrik aus fahren wir morgens in Richtung Ungarn. Erster Stop ist Zalaegerszek, die Partnerstadt von unserer derzeitigen Heimatstadt Marl. Wir hatten zuvor angefragt, aber es gibt keinen Partnerschaftverein hier, der die Tradition so aufrecht erhält wie in Marl. Daher kein Hallo, sondern nur ein kurzer Stop in der Innenstadt. Die Stadt ist trostlos und öde. Ich weiß schon, warum das im Englischen „Twin-Town“ heißt…

Wir fahren weiter zum Plattensee. Leider ist das Wetter nicht so berauschend und wir campen eine Nacht im Regen an dem schönen See. Er ist im Durchschnitt nur etwa 3 Meter tief. Daher dachte ich immer, dass er im flachen Land liegt. Stimmt aber nicht, denn es gibt schöne kleine Berge und Hügel an seinen Flanken zu sehen. Der Boden auf dem Platz besteht aus Wiese und so wie es aussieht regent es nicht erst seit gestern. Christian fährt den Bus auf die Wiese – vielmehr versucht es – und sinkt erst mal bis an die Felgen ein. Jetzt bloß nicht stehen bleiben und ordentlich aufs Gas gedrückt. Der Matsch fliegt uns nur so um die Ohren, aber schlußendlich können wir uns aus eigener Kraft wieder aus der Wiese wühlen. Die Wiese hat jetzt eine Ackerfurche, und das Auto sieht ordentlich nach Abenteuer aus. Perfekt. 🙂 Wir wechseln auf einen anderen Stellplatz, der mit Kies aufgeschüttet ist. So können wir auch mal ohne Gummistiefel raus…

Am nächsten Morgen fahren wir bei Sonnenschein weiter nach Szekesfehervar (Stuhlweißenburg), wo wir Attila in seinem Restaurant begrüßen. Wir bekommen Tee und Gebäck aus eigener Herstellung und er kann uns viel über Ungarn und seine Sehenswürdigkeiten erzählen. Anschließend geht es weiter zu Robert und Maria, bei denen wir netterweise vor dem Haus übernachten können. Beide haben derzeit eine Austauschschülerin aus Lettland bei sich, Tina. Robert und Maria erzählen uns viel über die Geschichte Ungarns und Tina erzählt von der Kultur im Baltikum. Wir haben einen tollen Abend mit selbstgekochtem Gulasch und Turogomboc als Nachtisch.

Der Morgen verspricht einen strahlenden Tag und so beschließen wir nach Budapest zu reisen. Eigentlich wollten wir nicht mit dem Wohnmobil in eine solch große Stadt, aber alle schwärmten davon: „Warum kommt man sonst nach Ungarn, wenn man nicht Budapest sehen möchte?“ Zudem hat Merle Fieber bekommen und da bleiben wir lieber zwei Tage in der Zivilisation und machen einen auf „Tourist“ – mit dem Hop on hop off Bus durch die Stadt, eine Schiffahrt auf der Donau, ein original ungarisches Touristenmenü und so weiter. Wir kommen auf einem kleinen Campingplatz unter, der „Nische“. Der Name ist treffend gewählt, der Platz liegt in einem kleinen Tal eingebettet zwischen Bergen. Die Anbindung in die Innenstadt per Bus ist super und es ist ruhig auf dem Platz. Zudem ist im Preis ein Frühstück inklusive was für uns auch mal ein tolle Sache ist. Budapest ist eine lebhafte, schöne Stadt. Dennoch reichen uns 2 Tage und glücklicher Weise bessert sich Merles Gesundheit gut.

Nach zwei Tagen und ohne Fieber geht es weiter. Wir hören auf die Ratschläge unserer Bekannten und fahren zuerst zum Donauknie, essen dort etwas zum Mittag und fahren dann weiter in Richtung Eger. Ganz schaffen wir den weiten Weg nicht und wir übernachten im Matra-Gebirge auf einem Campingplatz mit Aussichtsturm. Am nächsten Tag geht es durch die Matra nach Eger und zu den dortigen Salz- oder Kalkterrassen (wir sind uns nicht ganz sicher), die aussehen wie Klein-Pamukkale. Wie sich herausstellt ist es tatsächlich noch ein weiter Weg bis zu einer ähnlichen Größe wie Pamukkale, das entsprechend große Hotel steht allerdings schon mal. Schade, das die Chance auf ein seltenes Naturdenkmal nicht genutzt wurde und gleich der Kommerzialisierung zum Opfer gefallen ist.

Von dort weiter durch den wunderschönen Bükk-Nationalpark in den Aggtelek-Nationalpark. Sowohl Matra als auch Bükk sind DIE Motorradstrecke schlechthin in Ungarn. Da bekommt das Motorradfahrerherz gleich wieder dicke Tränen in den Augen. Wer einmal mit dem Moped nach hier kommt, dem sei diese Strecke allerwärmstens empfohlen. Toller Belag, spektakuläre Kurvenkombinationen in toller Naturlandschaft. Ein echter Tip!

Direkt vor dem Eingang der größten Höhle Ungarns parken wir unser Auto auf einem Ein-Sterne-Landeskategorie-Campingplatz. Völlig überteuert ist auch dieser Stern eigentlich noch zu viel. Die Toiletten sind vermutlich das letzte mal vor der Ungarischen Revolution geputzt worden und für die Duschen fällt mir keine druckreife Beschreibung ein. Wir freuen uns, dass wir autark sind und nicht auf die Einrichtungen des Platzes angewiesen und nächtigen direkt auf der Dorfwiese neben den offenen Grillplätzen (die am Samstag Abend natürlich auch alle genutzt werden).

Am nächsten Tag freuen wir uns auf den Besuch der Tropfsteinhöhle. Die kurze Führung dauert eine Stunde und ist komplett auf Ungarisch. Die Höhle ist ganz nett, aber kein Vergleich zur Höhle in Slowenien. Viele Steine in der Höhle sind schon „tot“ (wachsen nicht mehr weiter durch Menscheineinfluss) und abgebrochen worden. Doof, wenn Menschen keinen Respekt haben. Wir fahren weiter in die Slowakei. Uns fallen hier und da Polizisten an der Straße auf, die aber nur da stehen und für uns keiner sichtbaren Tätigkeit nachgehen. Das hatten wir das letzte Mal in… grübel… Montenegro.

Die Landschaft ist wie ausgewechselt. Statt Pusztaebene fahren wir durch voralpenlandähnliche grüne Berge. Es ist herrlich. Wir wollten eigentlich eine Eishöhle besichtigen. Doch leider hat diese „Winterferien“ bis nächste Woche. Was für eine Ironie. Daher fahren wir weiter in die hohe Tatra. In Tatranska Lomnica wollten wir mit dem Sessellift in die Berge fahren, doch auch dieser hat „Winterferien“ – und das in einem Skiort. Komisches Land. Irgendwie scheinen hier antizyklische Auszeiten hoch im Kurs zu stehen. Wir fahren daher im Dorf nebenan mit der Standseilbahn in die Berge und laufen wieder hinab. Wir können in der Ferne verschiedene Wetter beobachten. Zum einen gibt es Gewitter, zum anderen leuchtet uns das schönste Blau entgegen. Wir haben Glück und genießen den ganzen Tag Sonnenschein. Abends stärken wir uns noch bei einer „kleinen“ Mahlzeit in dem Gasthaus, das zu dem Stellplatz gehört auf dem wir übernachten. Christian bestellt einen Krustenbraten und hat nach einiger Zeit das größte Stück Fleisch seines Lebens auf dem Teller. Es ist superlecker, das Fleisch saftig und die Kruste ordentlich kross – so wie das soll.

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