von Angelsey nach Snowdonia

Tag 61 startet heiter und wir machen und fröhlich auf den Weg nach Süden.Ich möchte unbedingt einen kleinen Umweg auf dieser Halbinsel machen, denn hier auf Anglesey gibt es den Ort mit dem längsten Namen in ganz Europa: Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch.

Jeder, der einmal in der Stadt war, läßt ein Foto von sich vor dem Bahnhof mit diesem Namen machen. Der Ort ist auf Touristen ausgelegt und es gibt insbesondere viele Tagesausflügler und andere Bustouristen. Ich stellte mich hinten an die Fotoschlange an und nun gibt es folgendes Beweisfoto:

Anschließend fuhren wir wieder in die Berge, diesmal auf der A4086 direkt am namensgebenden Berg Snowdon vorbei, der wie immer eine Wolke um seine Kuppe herum trug. Wir kamen in den kleinen Ort Llanberis und auch dieser war, wie zuvor Betws y Coed auch, sehr touristisch und sehr voll. Das schöne Wetter lockt zum Wandern und Natur genießen! Da Merle noch schlief, fuhren wir weiter.

Die Berglandschaft hier war wieder anders im Vergleich zu gestern. Die Berge waren sehr hoch, sehr felsig, es gab einige Bergseen und wie gestern viele Wanderer und zugeparkte Parkplätze und Straßenränder.

Weiterhin mit traumhaften Wetter gesegnet fuhren wir auf der anderen Seite aus den Bergen hinaus zurück an die Küste. Im Ort Portmeirion kamen wir in einer flachen Flussmündung an. Von dort aus nahmen wir die Küstenstraße nach Süden und es wurde wieder bergig.

Eigentlich wollten wir eine Pause in Harlech machen. Die Stadt soll sehr bekannt sein.Wir erwarteten ähnlich wie in Frankreich eine schöne Uferpromenade oder einen Sandstrand mit Picknickmöglichkeit, möglichst mit Spielplatz. Soviel zu unserer Vorstellung

Berühmt ist Harlech tatsächlich. Zudem sehr hübsch, touristisch und voll. Und oben an einer Bergseite klebend gebaut. Das bedeutet: Alles ist eng und schmal. Es gibt nicht einmal den  Ansatz eines kleinen freien Parkplatzes in der gesamten Stadt. Und der tolle Strand mit den weißen Dünen liegt ein, zwei Kilometer weiter und einige Höhenmeter tiefer.

Daher fuhren wir weiter bis Barmouth. Bis dort gab es keine Möglichkeit, eine Pause zu machen. Die Straße windet sich schmal den Berghang entlang. Barmouth liegt recht flach direkt am wunderschönen weitläufigen Sandstrand. Hier fanden wir den „Superoverkill“ an Touristen vor. Bei dem herrlichen Wetter war offenbar jeder, der vier Räder hatte an der Küste und stürzte sich ins Meer. Alle riesigen Parkplätze waren voll, der Strand war schwarz vor Menschen. In der Stadt herrschte ein Verkehrschaos.

Wir hatten langsam die Nase voll von dieser Küste, brauchten dringend eine Pause und fuhren achselzuckend wieder zurück in die Berge. Die weitere Küste gen Süden schenkten wir uns zugunsten der A487 durch die südlicheren Berge Snowdonias. Hier sah es ein wenig wie in den Alpen aus: schmale Täler, viel dunkler Wald und sprudelnde Flüsschen.

Wir machten unsere Mittagspause bei dem zufällig gefundenen Hinweisschild zu „King Arthurs Labyrinth“. Wir fanden das „„, eine Ansammlung von Handmade-Läden, Cafés, einen Spielplatz und einem Labyrinth mit Höhle in der Nähe von Corris. Hier gab es tolle Sachen, zwar für Touristen, aber fernab von dem üblichen Ramsch gab es hier die eine oder andere schöne Sache zu entdecken.

Da das Labyrinth eher für größere Kinder ist, tummelten wir uns auf dem Spielplatz, aßen Eis im Café und waren ein wenig Deko aus Holz shoppen (Der Holzthron war leider zu groß zur unser Wohnmobil).Da ich keine britischen Pfund dabei hatte und nicht mit Karte zahlen konnte, bekam ich eine Visitenkarte mit der IBAN und der Bitte, von zuhause aus sozusagen wie bei einer „Honesty Box“ den betrag zu überweisen. Wow! So viel Vertrauensvorschuss habe ich selten (und fast nur während unserer Reisen) erlebt.

Ich kam mit einer Verkäuferin ins Gespräch, die gerade in ihrem Lädchen saß und Holz schnitzte. Sie hatte „Shandals“ an ihren Füßen – eine Mischung aus Schuhen und Sandalen, die hier in Wales ganz in der Nähe handgefertigt werden (in Machynlleth). Hier in Wales scheint es einige Menschen zu geben, die einfach „Ihr Ding“ machen wie z.B. Holz schnitzen oder Schuhe fertigen; Menschen, die Schuhe anziehen, die man von der Stange nicht bekommt; Menschen, die authentisch und naturnah „ihr Ding“ leben.

Nach diesem Stop geht es weiter und höher in die Berge zum zweiten Brit Stop Abenteuer. Wir fahren nach Llanbrynmair zum Y Star Inn, dem höchsten Inn der walisischen Midlands. Das Haus macht einen netten und freundlichen Eindruck. Es steht mitten im nichts, direkt am Bachlauf, die Landschaft ist wild und rauh, aber großes ABER: direkt vor der Tür gibt es eine häßliche Riesenbaustelle.

Wir diskutieren. Auf der letzten Reise haben wir ausgemacht, dass wir bleiben, wenn es uns gefällt und schon nach 16:30 Uhr ist. Das wäre hier der Fall (bis auf die Aussicht). Wir entschieden uns jedoch auf meinen Wunsch zur Weiterfahrt. Wir fuhren sozusagen einen Berg weiter nach Pontrhyd-y-Groes zum The miners Arms.

Aber wie das Schicksal es auch in diesem Fall wollte, wenn wir gegen unsere eigenen regeln verstoßen: Die Parkplätze des Pubs waren direkt an der Durchgangsstraße. Unz zu allem Überfluss hatte der Pub dienstags geschlossen (im Buch stand montags). Seufzend fuhren wir zur letzten Alternative, dem 6 Minuten weiter die Straße runter gelegenen Black Lion Hotel in Pontrhydfendigaid.

Der Beschreibung im Buch nach erwarteten wir nicht viel; sie hörte sich nach nichts an. Als wir hier ankamen, fanden wir aber ein kleines Paradies für Camper vor: Ruhiger Hinterhof, Biergarten, Spielwiese und leckeres Pub-Essen.

Das schöne Wetter war uns noch immer hold und wir tobten mit Merle über die Wiese, über Stock und Stein, bewunderten die Hühner nebenan und machten anschließend das Restaurant (und darin insbesondere die Spielecke) unsicher.

Am späteren Abend überlegten wir uns die weitere Route nach Süden und kamen überein, dass wir ein wenig abkürzen. Auf weitere überfüllte Küsten, wie wir sie wahrscheinlich in ganz Wales und Südengland zur Ferienzeit vorfinden werden, hatten wir keine große Lust. Zu schön waren die Erinnerungen an Frankreich (außerhalb der Ferien) und Irland (egal ob Ferien oder nicht), wo wir an den schönsten Stellen fast alleine waren.Daher buchten wir heute die Fähre von Dover nach Calais für Sonntag morgen.

Frage des Tages: Ausgewogene Ernährung à la Britannien: Würdest du eine „Beeflasagne mit Chips und Garlic Bread“ bestellen?

Tipp für Wildcamper: Am Corran Craft Center kann man sicher auch nachts stehen, ohne dass das groß auffällt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.