Willkommen nach Irland

Der 36. Morgen kam nach wenig Schlaf und der Wellengang hatte nicht im Mindesten nachgelassen. Einziger Unterschied: Das Geschaukel kam nun von der Seite, nicht mehr von vorne.


Zähneputzen konnte ich nur im Sitzen, sonst hätte ich gleich da weiter gemacht, wo ich am Abend aufgehört hatte. Merle hat das Geschaukel wohl über den Nachtschlaf vergessen und sichtlich Probleme, sich auf den Beinen zu halten. Das endete dann in einer großen Beule am Kopf.

Unser Frühstücksbrot aßen wir lieber trocken mit etwas Wasser. Sicher ist sicher. Dann packten wir unsere Sachen und gingen aufs Promenadendeck. Merle war es nach zwei Minuten im  Spieleparadies wieder zu voll und zu laut und sie hatte viel mehr Spaß, die Treppen herauf und herunterzuwackeln. Ganz zu unserem Missfallen, da wir, selber unsicher auf den Beinen, dabei sehr auf sie aufpassen mussten.

Um 11 Uhr sollten wir ankommen. Komisch, schon fast 12 Uhr und immer noch keine Durchsage. Naja, wir hatten beim Ablegen ja auch Verspätung und die See war rauh, daher dachten wir uns dabei nichts. Erst viel später kam uns die Zeitverschiebung in den Sinn: Die Iren sind uns eine Stunde hinterher!

Pünktlich um 11 Uhr Ortszeit kamen wir also in Rosslare an. Ein Schild heißt uns „Willkommen nach Irland“ (Ich wußte gar nicht, dass Irland eine Stadt ist.). Das wichtigste hier: Immer daran zu denken, links zu fahren. Wie oft uns das noch in den nächsten Tagen passieren wird, dass wir nicht sofort daran denken!Mit all den lustigen Feinheiten wie: Kreisverkehr anders herum, Rechts überholen, Links vor rechts und insbesondere wenn man als Fußgänger über die Straße will: In die andere Richtung schauen!


Rosslare Strand mit Blick auf die Fähre im Sturm

Wir fahren erstmal zum Rosslare Strand um uns zu orientieren. Wohin wollen wir heute? Wir machen eine kurze Pause, sehen am windgepeitschten Stand die tosenden Wellen – und im Hintergrund unsere Fähre im Hafen. Noch kurz das Frühstück nachholen (leider zu den Klängen eines Bohrhammers – die örtlichen Toiletten haben ein neues Fenster bekommen) und dann weiter – Destination Hook´s Head.


Hook´s Head

Wir fahren eine recht langweilige, links und rechts mit Hecken gesäumte Straße, die sich Coastal Drive nannte (und sicher später spannend wird) und bogen dann in Richtung Hook Halbinsel ab.

Der Leuchtturm an der Landspitze Hook´s Head ist uralt, etwa aus dem neunten Jahrhundert, und immer noch in Betrieb. Die See toste noch immer im steifen Nordwind und nach ein paar Minuten Warten bekamen wir sogar den „Premiumparkplatz“ am Ende der Straße auf einer Aussichtsplattform direkt an den steilen Klippen des Caps.


Hook´s Head

Merle wollte spielen, doch in die Klippen wollte ich sie nicht lassen, egal wie spannend die für kleine Kinder sein mögen. Die Wortreihen „steil“, „tief“, „aua“ und „aufpassen“ kann sie seitdem genauso gut wie „Auto“, „Straße“, „aua“, „Seite gehen“, „Rasen“ und „aufpassen“. Gutes Kind.

Der Leuchtturm war mit einer weißen Mauer eingefriedet und wir gingen hinein. Dort konnte Merle sicher spielen, dachte ich. Doch es wurde noch viel besser: Das Leuchtturm-Café hatte jede Menge Spielzeug auf den Rasen gestellt: Bobbycars, Anhänger, Spielrasenmäher, Bauklötze, Hüpftiere, Bälle, ein 4-gewinnt-Spiel und vieles mehr.

Merle war in ihrem Element und Mama glücklich. Zum Abend hin flaute der Wind ab und drehte, die Wellen wurden im ablaufenden Wasser kleiner und kleiner. Stille kehrte ein und die Sonne kam hervor. Später unterbrachen zarte Gitarrenklänge die Ruhe – ein ausverkauftes Konzert im Leuchtturm.


Hook´s Head

Die Merle-Bett-Zeit nutzen wir, um in den Klippen bei auflaufendem Wasser herumzuspringen und im Abendlicht (und darüber hinaus) Fotos zu schießen. Angenehme Gesellschaft bekamen wir dabei von Marion, die mit ihrem Wohnmobil ebenfalls an den schönsten Orten in Irland unterwegs ist. Besuchen könnt ihr sie in ihrem Blog unter: https://irland2017site.wordpress.com/author/vierwochenweg.

Der Tag hätte schöner nicht sein können und Christian sagte schon: Wir können nach Hause, schönere Fotos kann ich kaum noch schießen.

— Aber habe bei der Schwärmerei für diesen Abend nicht etwas vergessen zu erwähnen? —

Als wir unseren Parkplatz okkupierten wollte Christian auf Keile fahren, damit der Wagen gerade steht. Ich setze mich auf den Fahrersitz, während er die Keile unterlegt, dann drehe ich den Zündschlüssel und: Es passiert nichts. Mehrfach probiert, aber nichts nennenswertes bewegte sich, nur ab und zu flackerten die Anzeigen. Also Motorhaube auf, Werkzeugkoffer herausgekramt und alles gegeben. Nach einer Stunde die Diagnose: „Ich glaub, die Batterie tut nicht mehr.“

Also unsere nette Versicherung mit Schutzbrief angerufen, die bisher immer alles reibungslos abgewickelt hat (und so auch diesmal abwickeln wird). Die Versicherung gab den Auftrag an ein holländisches Unternehmen zur Abwicklung weiter, diese beauftragten eine Werkstatt in Irland, die den Auftrag nicht haben wollte und eine andere Werkstatt angerufen hat. Und plötzlich, als wir nicht mehr damit rechneten und die Nudeln grad fertig waren, kam Paddy. Der Bereitschaftsmechaniker einer Werkstatt für LKWs aus Wexford.


Hook´s Head

Seine Diagnose: Wahrscheinlich ist die Batterie kaputt. Er gab Starthilfe und wir luden die Batterie – und störten so die Ruhe auf dem schönen Aussichtspunkt ein wenig viel. Paddy meinte, wenn die Batterie morgen anspringt, sollen wir vorbei kommen, dann baut er eine neue ein. Samstags haben die zwar viel zu tun, aber das würde schon noch gehen.

Dann brauste er wieder ab und uns stellte sich die Frage des Tages: Neue Batterie oder „drauf ankommen lassen“?

Ein Kommentar zu “Willkommen nach Irland

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