Die ersten vier Wochen – von Erwartungen und der Realität

Die ersten vier Wochen sind vorbei. Wir sind tatsächlich in Capo Vaticano in Kalabrien angkommen. Wie vermutlich ihr auch, haben auch wir bestimmte Erwartungen, wenn wir uns auf eine Reise begeben. Ob die dann auch immer so eintreffen, ist unterschiedlich. Wichtig ist, dass wir offen genug bleiben, um Erwartungen als solche zu erkennen und bei Bedarf zu korrigieren.

Beispiele dafür können wir nach den ersten vier Wochen genug liefern.

Wir haben nicht erwartet, mit so viel Freundlichkeit und Herzlichkeit von vormals fremden Menschen empfangen zu werden. Ausnahmslos haben wir viel mehr Gastfreundschaft erfahren als wir erwartet hatten. Wir haben nicht erahnen können, dass wir, nur nach einem Stellplatz für die Nacht gefragt, mit so viel Herzlichkeit, selbstgemachter Pizza, Suppe, großem Frühstück, warmen Duschen, Pfälzer Salami und Wein sowie Schwimmbad und einem handsignierten Buch beschenkt werden.

Wir haben nicht erwartet, vier Wochen fast ununterbrochen gutes Wetter, Sonnenschein und Sandalentemperaturen zu haben. Unseren ersten kleinen Sonnenbrand hatten wir in der Pfalz, dann einen größeren in Tirol und dann den ersten richtigen in Südtirol. Wir hatten nicht vor Süditalien damit gerechnet. Auch nicht damit gerechnet haben wir mit etwas schlechterem Wetter in Rothenburg ob der Tauber, in der Toskana und hier in Kalabrien. Wir wollten an diesen Punkten professionelle Fotos für den Blog machen. Das musste dann leider ausfallen. Dafür haben wir an anderen Punkten unserer Reise Fotos gemacht, da hätten wir vorher im Traum nicht dran gedacht.

Auch nicht erwartet haben wir, dass in Italien noch keine Saison ist. Bei schönstem Wetter haben hier wirklich noch fast alle Campingplätze, Hotels, Restaurants und Eisdielen bis Anfang/Mitte Mai geschlossen. Auch die Züge und Fähren fahren nur ganz sporadisch. Macht aber nichts, so haben wir die tollsten Strände für uns ganz alleine. Auch mehrere Campingplätze haben wir allein bewohnt. Nicht erwartet haben wir dabei, von den Inhabern quasi familiär behandelt zu werden. Wir wurden mit Artischocken gekocht, bekamen Apfelsinen aus Omas Garten geschenkt oder nur den „Familientarif“ in Rechnung gestellt.

Ebenso haben wir nicht erwartet, uns recht flott an den italienischen Autoverkehr zu gewöhnen. Mehr noch: nach einer Woche waren wir quasi assimiliert. Ampeln, Schilder, Verkehrslinien oder die Gurtpflicht sind auch eher als „Vorschläge“ zu sehen. An die kann man sich halten – macht man aber eher nicht. Die Polizei kontrollierte uns nur einmal – aber eher aus Neugierde auf den bunten Wagen.

Auch nicht erwartet haben wir so wenig Zeit für unseren Blog. Wir haben den tollsten kleinen Zeitdieb der Welt mit an Bord: unsere Merle. Die macht die Reise unerwartet gut mit. Sie liebt das Autofahrern, das Ankommen und die immer wieder neuen Orte und Menschen. Da sie wohl so aussieht, wie viele Italiener sich ein Baby vorstellen, wurde sie in den letzten Wochen von viel mehr Menschen geherzt als wir jemals erahnen konnten. Sie blüht richtig auf.

Zu guter Letzt konnten wir nicht erahnen, dass wir bisher ohne darauf zu achten noch recht gut in unserem Zeitplan liegen. Und dass wir jetzt wohl doch noch zusätzlich das schöne Albanien bereisen werden: Die Fähre von Bari nach Bar geht zu selten. Daher machen wir einen Abstecher nach Durrës.

Erwartet haben wir hingegen, das das zusammenleben als Familie auf so kleinem Raum über so lange Zeit auch Spannungen mit sich bringen wird.  Es verlangt von jedem (Erwachsenen ;)…) Disziplin und Kompromissbereitschaft, um das Zusammenleben möglich zu machen. Da ist es gut, wenn wir mal auf Campingplätzen stehen oder am Meer, so kann sich jeder mal eine Auszeit nehmen um mal mit sich allein zu sein und die Gedanken zu reinigen.

Erwartet haben wir auch, das Dinge am Auto oder anderes mal kaputt gehen. Passiert auch. Nur leider vorwiegend die Dinge, auf die wir nicht vorbereitet sind und somit improvisieren müssen. 😉

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