Long Way Down – Teil 1

Nordkapp – Alta – Tromsö – Senja

Mit etwas Wehmut packen wir am folgenden Morgen unsere Sachen zusammen. Natürlich haben wir noch rd. 6 Wochen reisen vor uns, jedoch geht es jetzt Richtung Heimat, immer Südwärts.

Wir verabschieden uns noch von Johnathan und seinem Team und trinken zusammen noch einen Kaffee. Dann geht es für uns los. Wir fahren in Richtung Alta, vorbei am größten Canyon Nordeuropas und weiter in Richtung Tromsö, wir möchten uns diese Stadt etwas genauer ansehen. Zudem soll es dort einige Sehenswürdigkeiten geben.

Wir erreichen Tromsö nach 2 Zwischenstopps in Solvang und Spakenes. Tromsö gilt als das „Paris des Nordens“ oder auch „Tor zur Arktis“. Als erstes fällt die „Eismeerkathedrale“ ins Auge, eine Architektonisch interessant gestaltete Kirche, die die Form eines Eisberges hat. (zumindest sagt das der Architekt ;)…) Wir möchten die Kirche besichtigen, sollen dafür aber einen Eintrittspreis von 5,- € p.P. bezahlen. Das möchten wir nicht. Für Gotteshäuser eine Gebühr zu erheben erscheint uns falsch. Der Zugang sollte für jedermann möglich sein. Die Kirche ist von dem Foyer aus relativ gut einzusehen und so können wir uns einen groben Eindruck verschaffen. Es ist eine nüchtern gehaltene, moderne Kirche die keine Energie ausstrahlt. Seelenlos im wahrsten Sinne.

Ein wenig enttäuscht fahren wir in die Stadt rein, es gibt genau 1 größere Parkmöglichkeit in Tromsö und die Preise sind dementsprechend teuer. Wir sind jedoch gut beraten, die Gebühr zu entrichten. Ein junges Paar neben uns hat vergessen ein Ticket zu ziehen und wurde mit einem Strafzettel am Auto empfangen. Umgerechnet 85,- € wird eine Stunde parken die beiden kosten. Krass. Wir fassen uns kurz, denn die Stadt gefällt uns gar nicht. Irgendwie wird überall gebaut, es ist alles ein wenig lieblos und hat keine Atmosphäre. Wie da der Vergleich mit Paris zustande gekommen ist, ist uns nach diesem Besuch noch ein Rätsel. Wir hatten eigentlich vor, in der Stadt ein paar Tage zu bleiben, ändern jedoch unsere Pläne und fahren ein wenig Stadtauswärts um einen schönen Stellplatz für die Nacht zu finden.

Aufgrund der neugewonnen „Freiheit“ schieben wir eine Extrarunde über die „Trollinsel“ Senja ein. Es gibt von Tromsö aus eine Sommerfähre zu der Insel, die wir dann auch nehmen. Die Fähre geht nur wenige Male am Tag und so sehen wir zu, das wir diese auch bekommen. Dafür müssen wir zu einer für uns sehr frühen Zeit aufstehen um rechtzeitig von unserem Übernachtungsplatz aus am Anleger zu sein. Das Frühstück fällt daher kürzer aus als sonst und nocht etwas verschlafen reihen wir uns in die Schlange der wartenden am Anleger ein.

Senja gilt als „Norwegen in Miniformat“ und das können wir auch bestätigen. Obwohl wir schlechtes Wetter haben bei unserem Besuch, sind die Natureindrücke einfach imposant und überwältigend. Tatsächlich finden sich hier alle Landstriche Norwegens versammelt, von bizarr geformten Küstenlinien hin zu lieblichen weiten Tälern auf der anderen Inselseite. Leider ist kein gutes Fotolicht sodass ich auf die ganz großen Aufnahmen zu meinem Bedauern verzichten muss. Zu dicht und tief hängen die Wolken und zu stark ist der Regen. Für Nicole ist diese Insel mit Abstand die schönste in ganz Norwegen gewesen.

Wir haben ein kleines Kaffee ausgeguckt, das interessant klingt und wir besuchen möchten. Es heißt „Krakeslottet“ und hat nur im Juli geöffnet. Der Slogan des Kaffees lautet „Kaffee, Kuchen & Kunst“. Wir verlassen dafür die Landschaftsroute auf Senja und tuckern über eine Single-Track-Road zu dem Ort. Das Cafe liegt sehr exponiert auf einem alten Pier am Ende der Straße und sieht sehr abenteuerlich aus. Sehr verwinkelt, viele Anbauten. Ein wenig erinnert mich das an das Haus eines verrückten Professors. Nachdem wir den Eingang gefunden haben, werden wir auch gleich fröhlich von den Betreibern empfangen. Wir werden gefragt, ob wir nur Kunst gucken möchten, oder auch Kaffee & Kuchen zur Kunst wollen. Wir nehmen zweiteres. Mit einem sündigen Stück Schokotorte, die den Namen mal wirklich verdient hat, und einem nach alter Tradition Hausgebrühten Kaffee (Kaffeemehl einfach mit Wasser aufgießen und ziehen lassen, dann langsam abschütten um nicht den Prütt in der Tasse zu haben) versuchen wir uns der Kunst zu nähern. Zugegeben, nicht zu allem finden wir Zugang…

Wir wollen aufbrechen und müssen noch zahlen. Was für ein Schreck! Das Cafe akzeptiert keine internationalen Kreditkarten und Bargeld haben wir nicht. Wir gehen schon im Kopf alle Möglichkeiten durch, wie wir das Problem lösen können, da strahlt uns der Besitzer an und sagt: „Es gibt kein Problem. Das kommt schon mal vor. Empfiehlt uns einfach 2x weiter und wir sind quitt.“ Wir können es kaum glauben, das es so einfach sein kann. Wir freuen uns sehr über diese Großzügigkeit und geben daher hier ganz klar: eine Empfehlung! Wer immer von euch hier im Juli in die Nähe kommt: fahrt hier unbedingt vorbei. Die Atmosphäre ist einzigartig und ihr bekommt sonst nirgendwo anders einen Schokokuchen, bei dem 100 Gramm Kuchen aus mindestens 150 Gramm Schokolade gefertigt sind…

Wir kommen mit dem Betreiber noch ein wenig ins Gespräch und er berichtet uns, das das Haus früher sein Elternhaus war. Er hatte schon immer die Idee, es zu einem Kunstcafe umzuwandeln und hat es jetzt getan. Im Winter können Künstler hier kostenlos wohnen und die die tosende See unter Ihnen und die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Insel als Inspirationsquelle nutzen. Als Gegenleistung müssen sie ihre Werke im Juli kostenlos ausstellen. Es gibt vom Norwegischen Staat eine Unterstützung für diese Art von Förderung, sodass sich das ganze auch für den Betreiber lohnt. Eine coole Idee, wie wir finden!

Glücklich und gut gestärkt fahren wir einen Campingplatz für die Nacht an. Wir haben dieses mal einen besonderen ausgesucht, er hat einen Mini-Zoo und ist besonders familienfreundlich. Das machen wir nicht ohne Grund, denn der nächste Tag ist ein ganz besonderer: Merles erster Geburtstag! 🙂

Merle hat dann auch einen Riesenspaß an den vielen Tieren die es dort gibt und tobt sich den ganzen Tag dort richtig aus. Das einzige, was mir ein wenig zu denken gibt ist die Tatsache, das sie vor dem Stall mit den Angorakaninchen sitzt und die Geste für essen macht*… Vlt. bekommt sie schon mal keinen Hasen als Haustier… (* wegen der Möhrchen 😀 )

Der einzige Nachteil an dem Platz ist, das er proppenvoll ist. Nachdem wir sonst die Weite und Einsamkeit unserer „wilden“ Stellplätze gewohnt sind, fühlen wir uns nicht richtig wohl und sind froh das wir weiterziehen können.

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