Long Way Down – Teil 2

Ofoten – Vesteralen

Unser weiterer Weg soll uns über die Ofoten und die Vesteralen auf die Lofoten führen. Allerdings ist das Wetter gerade mal wieder richtig mies und ich möchte auf gar keinen Fall die Lofoten bei schlechtem (Foto)-licht besuchen. Also planen wir eine kleine Schleife um das beste aus der Situation zu machen und legen einen Zwischenstopp in Harstad ein, wo es ein Grottenbad gibt. Also jetzt nicht grottenschlecht, sondern ein Bad das in den Fels gebaut wurde. Genau das richtige für einen Schlechtwettertag. Das dachten sich dann auch wohl noch die 1000 anderen Besucher und so war es ein trubeliger Nachmittag in einem schönen Spaßbad. Wir hatten alle unseren Spaß und besonders Merle konnte gar nicht genug bekommen vom hermumtollen im Wasser. Allein schon für ihr strahlendes Gesicht und das glückliche Lachen war dieser Besuch jeden Euro des infarktverdächtigen Eintrittspreises Wert.

Auf dem Weg zurück vom Bad zu unserem „Bobil“ schlendern wir am Kai entlang. Möwen kreischen über unseren Häuptern und plötzlich wird Nicole attackiert. Hier gibt es so genannte Raubmöwen, die immer den höchsten Punkt angreifen. Kundige Einheimische laufen daher nur mit Regenschirm oder Stock herum. Sind wir nun eine tiefe Wunde schlauer als zuvor in Sachen Ornithologie 🙂

Den Abend verbrachten wir dann am Aussichtspunkt „Nupen“, der zum romantischsten Ort in Norwegen gekürt worden ist. Ganz allein im Regen standen wir dort und stellten uns den Trubel vor, der hier geherrscht hätte, wenn die Mitternachtssonne tatsächlich zu sehen gewesen wäre.. Am nächsten Tag geht es dann weiter über eine kleine Fähre von den Ofoten hinüber zu den Vesteralen. Regen, Wolken, Sonne und Nebel sind unsere Begleiter auf dem Weg von der größten Insel Norwegens Hinnöya hinauf auf Andöya. Nach dem teuersten Kaffee der gesamten Reise (40 Kronen für ein halbvolles Tässchen) nehmen wir die Route auf der Ostseite, da es hier nicht so viel zu sehen geben soll.

In Bleik schauen wir uns nach einer Gute-Nacht-Möglichkeit um. Es gibt einen süßen kleinen Campingplatz, der allerdings voll war. Man sagte uns, dass in der Nähe des Touristenmagnets „Spaceship Aurora“ wildes parken möglich sei. Dort angekommen finden wir einige kleine Parkmöglichkeiten im Matsch, die uns nicht so zusagen und ein großes Gebäude mit einem weitläufigen ungenutzten Parkplatz, dessen Ende wunderschön am Strand liegt. Wir fahren dort hin und Christian klingelt an der Tür, um nachzufragen, ob wir hier eine Nacht bleiben können. Komisch kam es ihm vor. Zahlenschlösser an jeder Tür. Ein junger Mann öffnet und schaut ihn finster an. Es sei schon 10 nach vier.. Nachdem wir ihm unseren Wunsch mitteilten, schaute er besonders mysteriös und sagte: „If I were you, I would choose another place…“ Dann ging er. Hui wie aufregend, wahrscheinlich sind wir in einem „Spionage-Horch-Außenposten“ oder sowas gelandet.

Na gut, da wir nicht belauscht werden wollten, zogen wir weiter ins nächste Dorf. Wir nächtigen also in Stave neben einem kleinen Bauernhaus. Mit der Dame kommen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie erst vor 4 Wochen aus Oslo hierher gezogen sind und sie die Einsamkeit und das Rasenmähen lieben.

Tatsächlich ist Rasenmähen wohl des Norwegers liebstes Hobby. Wenn der Rasen auch nur 2 mm zu lang ist, schwingt sich der Norweger auf seinen Aufsitzmäher und fährt den ganzen Tag auf seinem Rasen herum. Lustig. Nirgendwo ist es still. Das Geräusch des Rasenmähens ist allgegenwärtig.

Der nächste Tag ist etwas besser, wir können zumindest die Berge sehen, die gestern nicht einmal zu erahnen waren. Hübsch ist es hier. Sowohl rauh als auch sehr flach mit Bauernwirtschaft. Das haben wir hier so in dem großen Stil nicht erwartet. Wir fahren weiter bis nach Sto auf Langöya, wo wir den ganzen Abend im strömenden Regen im Café bzw. später im Wagen sitzen und uns freuen, weil die Wetter-App für morgen herrlichstes Wetter ansagt. Die Mitternachtssonne konnten wir dafür leider nur theoretisch bewundern.

Am morgen schauen wir aus dem Fenster und sehen blauen Himmel mit Schönwetterwolken. Die dicke Regenwolke, die erst von Ost nach West über uns hinweg gezogen ist und sich dann gedreht hat und wieder zurück von West nach Ost über uns her ist, kommt nicht noch einmal zurück. Wir freuen uns uns nutzen die Gelegenheit, um uns die Vesteralenalpen aus der Nähe anzusehen und mit der Fähre auf die Lofoten überzusetzen.

Wir fahren hier soweit möglich abseits der großen Hauptstraße „E10“ kleine Straßen an der Küste entlang, bis wir unser Abendlager am Gimsöystraumen in Rystad auf der Insel Austvagöy aufschlagen. Wir haben einen tollen Platz an einer kleinen Straße mit Blick nach Norden gefunden und warten auf die Mitternachtssonne. Stativ, Kamera, alles steht bereit. Und dann oh je: Die Batterien vom automatischen Auslöser sind leer. Ersatz haben wir natürlich nicht mit an Bord. Macht aber nichts, denn kurz vor knapp schieben sich dann leider einige abendliche Wolkenfelder in unsere Sicht und aus einem Time-Lapse wäre eh nichts geworden.

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