Sjøbakken

In Tärnaby können wir zwischen zwei Pässen nach Norwegen wählen. Da wir dringend Gas nachtanken müssen, wählen wir den Weg nach Mo I Rana. Was wir nicht wussten ist, dass es in Finnland kein Gas zu kaufen gibt (Strafsteuern machen, dass es keinen Markt gibt) und in Schweden keine Gastankstelle auf unserer Route lag.

Eine Grenzkontrolle gab es auf dem Pass nicht. Theoretisch hätten wir alles schmuggeln können, was wir wollten. Praktisch hatten wir ein paar Dosen Bier und das wars. In schönen Kurven ging es die Berge wieder hinab und mit vollem Gastank fuhren wir dann von Mo I Rana die E6 nach Süden. Wir wollten die Fähre von Hemnesoya nehmen. Leider gibt es diese seit zwei Jahren nicht mehr da ein neuer Tunnel als „Ersatz“ gebaut wurde. Leider ist für uns die Fahrzeit dadurch viel länger und der Weg auch. Also weiter 40 km Umweg fahren.

Der nächste Tunnel, der Korgfjelltunnelen, war dann noch gesperrt und wir mussten über den Pass fahren. Schöne Aussicht, etwas Schnee, dauert aber wieder und es ist schon spät. Dann biegen wir nach Helgeland ab und fahren durch den kostenpflichtigen Toventunnelen nach Ytre Levang zum „Sjobakken Fiske-Camping„. Hätten wir gewusst, dass es die Fähre nicht gibt, wäre es geschickter gewesen, bis nach Nesna zu fahren und die Fähre dort zu nehmen. Aber hätte hätte war halt nicht.

Wir treffen uns dort mit Theo & Ute und werden von beiden schon erwartet und herzlich empfangen. Ein schönes Gefühl, nach so langer Zeit wieder mal auf bekannte Gesichter zu treffen. Der Platz ist toll. Mit ganz viel Liebe von Ole-Hermann und seiner Frau Rigmor gestaltet & geführt bietet uns der Platz alles, was das Camper-Herz begehrt. Besonders ausgerichtet ist der Platz für die Gäste, die fischen möchten.

Da wir uns beide sofort wohl fühlen und auch eine Auszeit vom fahren benötigen, beschließen wir gleich für eine Woche den Platz zu buchen. Dadurch bekommen wir noch 2 Tage gratis dazu, sodass die Kosten für Norwegische Verhältnisse sehr moderat sind. Strom ist allerdings auch hier recht teuer…

Theo & ich begießen das wiedersehen mit einigen Bier und Schnäpschen, was ich dann nach langer Alkoholabstinenz auch gleich am nächsten Tag mit einem Kater zu spüren bekomme. So leicht lädiert versuche ich mich zu sortieren und für den geplanten Angelausflug startklar zu machen.

Theo ist leidenschaftlicher Fischer und hat daher sein eigenes Boot mitgebracht. Ich fahre daher gleich am nächsten Tag mit raus, um mein Glück zu versuchen. Da ich noch nie vorher geangelt habe, bekomme ich eine ausführliche und gute Einweisung in die Grundlagen und dann geht es los zum praktischen „Unterricht“ 😉 Die fahrt mit dem Boot aus der Bucht heraus ist schon an sich toll. Das Angeln macht mir Spaß und ist nicht so langweilig wie ich mir das vorgestellt habe. Das hat allerdings auch damit zu tun, das wir hier im Meer fischen und nicht an einem Fluss oder Teich sitzen…

Ich habe gleich Anfängerglück: an meiner Angel zappelt was und aufgeregt hole ich die Schnur ein. Nach kurzem Kampf gelingt es mir, einen ordentlichen Dorsch ins Boot zu ziehen. Theo nimmt den Fisch routiniert aus, das ist mir auf dem Gummiboot mit dem scharfen Messer dann doch als Anfänger zu heikel ;). Wir fahren zurück zum Platz wo ich stolz mit dem Fisch posiere. Jetzt noch filetieren und dann ab damit in die Pfanne für das Abendbrot. Lecker! 🙂

Es ist die Zeit um den 21. Juni, und die Norweger feiern traditionell am 23. Juni das St. Hans Fest. So auch hier auf dem Platz. Die Stammgäste bereiten einige Leckereien für ein Buffet vor, die Grill’s werden angeglüht und jeder bringt sein Grillgut mit und kann sich am Buffet bedienen. Dazu wird ein großes Lagerfeuer entzündet. Ole-Hermann, der Platzbesitzer, bringt einen traditionellen Bakeljau mit, eine Art Norwegischer Fischeintopf mit Stockfisch. Sehr lecker! So sitzen alle Campgäste an einer langen Tafel zusammen und wir verbringen einen schönen Abend zusammen bei bestem Wetter.

Die Gegend um den Platz bietet auch viele Wandergelegenheiten. So laufen wir einen Vormittag zu einem Wasserfall und müssen dazu durch dichtes Gebüsch. Merle findet das total aufregend und spannend und hat ihre helle Freude an der Tour durch die Büsche. Belohnt wird das gekraxel mit einer herrlichen Aussicht auf einen Wasserfall und einem tollen Platz inmitten wunderschöner Natur. Nicole & Ute wandern an einem anderen Tag über ein Fjell entlang eines Berggrates um den Wasserfall von oberhalb sehen zu können. Eine anspruchsvolle Tour, die wir mit der Kraxe nicht gehen möchten.

Nicole versucht auch ihr Fischerglück. Fertig ausgerüstet mit Rettungsweste und Ölzeug geht es mit Theo raus auf das Meer. An diesem Tag ist etwas windig und die See recht unruhig, sodass Nicole schon bedenken hat was ihre Seefestigkeit angeht. Seit der Schwangerschaft ist sie da etwas empfindlicher geworden… 😉 Tatsächlich ist es außerhalb der Bucht auf dem Fjord etwas zu windig und so kehren sie in die Bucht zurück um dort auf die Jagd zu gehen. Und tatsächlich, es klappt! und wie! Theo glaubt erst, das sich der Haken am Boden verklemmt hat und erst als Nicole sagt, das sich der Boden entfernt wird das Jagdfieber in beiden geweckt. Es entwickelt sich ein heftiger Kampf zwischen Mensch & Fisch und nach langem ringen gelingt es den beiden schließlich einen kapitalen Heilbutt ins Boot zu bringen. Was für ein Fang! 91cm & rd. 6kg schwer! Ein ganz und gar nicht alltäglicher Fang (es ist erst der 5. Heilbutt in dieser Saison) und so ist das Hallo nach der Heimkehr am Steg groß und es werden Fotos gemacht und Rigmor lässt es sich nicht nehmen darüber auch im Internet zu berichten. Nicole ist mit recht superstolz und ich bin es auch. 🙂 Wir freuen uns über den tollen Fisch und beratschlagen was wir damit am besten anstellen. Ergebnis: ein teil geht gleich auf den Grill, ein teil wird eingefroren für später auf den Weg und der Rest wird heiß geräuchert. Alles in allem sehr köstliche alternativen 🙂

Eine gute „Tradition“ ist es auf dem Camp, Abends ein „Feuerbierchen“ zu trinken. Dabei wird am Lagerfeuer in geselliger Runde ein (oder bei Bedarf auch mehrere) Biere getrunken sowie die Erlebnisse des Tages inkl. ein wenig Anglerlatein Revue passieren lassen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Elchsafari bei Mitternachtssonne. Nicole ist mit 3 weiteren Gästen am späten Abend losgefahren um Elche zu „jagen“. Während der mehrstündigen Tour hat sie tolle Bilder von den beeindruckenden Schwergewichten gemacht. Da die Tour bis weit nach Mitternacht andauerte, hat sie noch spektakuläre Bilder von der Mitternachtssonne mitgebracht. Überhaupt ist die Lichtstimmung zu dieser Jahreszeit bei „Nacht“ sehr speziell. Ein ganz weiches, tolles Licht, das alles in sanfte Farben taucht. Schwer zu beschreiben, muss man gesehen und erlebt haben, was es heißt wenn es 24 Stunden hell ist und die Sonne auch 24 Stunden scheint.

Nur schwer können wir uns nach 10 Tagen Auszeit wieder aufraffen unsere Reise fortzusetzen. Zu schön ist es, nicht am Abend nach Stellplätzen suchen zu müssen und eine Art „Heimat“ zu haben, einen Ort an dem man angekommen ist. Zusätzlich ist die Gemeinschaft mit den anderen Gästen auf diesem Platz ganz besonders schön. Es ist wie „kleine“ Familie in der Fremde zu haben. Wir können gut nachvollziehen, wie es anderen Langzeitreisenden passieren kann an einem schön Ort auch mal schnell Monatelang zu „versacken“…

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