süße Tafeln für die Tafel

Wenn einer eine Reise tut, dann sollte sie nicht nur Selbstzweck sein. Wir sind sehr dankbar, dass uns das Leben eine solch tolle Reise ermöglicht hat und wollten etwas von unserem Glück weitergeben.

 

Das Leben steckt voller Zufälle und so trafen wir kurz vor der Reise Joachim von Loeben, den Weltreisenden, der die Stiftung für Helfer gegründet hat. Wir sprachen über unsere Möglichkeiten und  waren uns rasch einig: Das Leben hat uns eine wunderbare, gesunde Tochter geschenkt und daher wollten wir etwas für diejenigen Kinder tun, denen es auf der Welt nicht so gut geht.

Aus diesem Grund haben wir vor und während unserer Reise Spenden gesammelt. Anschließend haben wir uns den Kofferraum mit 100 Tafeln Schokolade vollgeladen und sind losgefahren.

Wir haben unterwegs Kontakte geknüpft zu Waisenhäusern in Montenegro, Polen und Russland. Wir haben uns über die Länder informiert, über die Einrichtungen und über die handelnden Personen. Manchmal war das nicht sehr einfach, denn oft sprachen die Verantwortlichen kein Englisch und wir nicht die Landessprache.

Als wir nach etwa zwei Monaten Reise in Montenegro ankamen, haben wir das betroffene Waisenhaus kaum erkannt. Es erstrahlte frisch gestrichen, mit der neuesten Ausstattung und machte einen finanziell sehr soliden Eindruck. Wir sprachen mit dem Leiter des Hauses darüber, dass wir den Kindern Sachspenden kaufen wollten, doch er konnte sich an uns nicht erinnern und zeigte kein Interesse. Stattdessen spielte er demonstrativ mit seinem Handy. Wir waren baff, solch eine Abfuhr zu bekommen. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Etwas bedröppelt fuhren wir weiter. Spenden an Kinder zu verschenken war nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Nach einem weiteren Monat kamen wir im Nordosten Polens an und besuchten dort spontan ein katholisches Waisenhaus. Bogumila, die leitende Nonne sagten uns, dass sie keine Spenden brauchten und sie selber für Kinder in Afrika Spenden sammelten.

Die Kommunikation mit dem Waisenhaus in Russland ist zwischenzeitlich abgebrochen, so dass auch unsere dritte Alternative ausgefallen ist. Tja, da standen wir nun und waren mit unserem Latein am Ende. Wir beschlossen, erstmal weiterzufahren.

Als wir einen Monat später an der Nordküste Norwegens, in Slettnes Fyr, unseren Kaffee nicht bezahlen konnten, weil der EC-Terminal wegen Sturmes ausgefallen ist, kamen wir mit einem deutschen Bischof a.D. ins Gespräch. Er zahlte uns den Kafffe „als Spende“ und schlug vor, armen Kindern in Deutschland zu helfen.

Die Idee traf uns wie ein Blitz. Natürlich. Da müssen wir erst durch halb Europa fahren um zu erkennen, dass es auch bei uns in Deutschland sehr viel Armut gibt. Im Laufe der weiteren Reise sammelten wir weiter Spenden und spendeten auch jedes Mal, wenn uns etwas Gutes widerfahren ist, aus Dankbarkeit selber.

Im September, als die Reise vorbei war, krempelten wir die Ärmel hoch und überlegten, wem wir was schenken konnten. Wie auch im Ausland wollten die meisten Institutionen nur Geld gespendet bekommen. Das war aber nicht unser Antritt. Wir wollten den Kindern direkt helfen.

Schlussendlich, nach zwei weiteren Monaten des Suchens und Findens hatten wir pünktlich zu Weihnachten unsere Lösung:Wir haben während unserer Reise in Österreich die Firma Zotter besucht. Sie stellt Bio-Schokolade her (die wir persönlich unglaublich lecker finden). Nachdem wir die eingenommenen Spenden aus unseren eigenen Mitteln verdoppelt haben, hat die Firma Zotter uns Schokolade für den dreifachen Wert zur Verfügung gestellt.

Der Postbote, der Schokolade im Wert eines vierstelligen Betrages zu uns in den 1. Stock tragen musste, fragte uns noch, den Rücken wieder geradebiegend: „Ist da wirklich so viel Schokolade drin wie ich denke?“Diese Schokoladen haben wir dann an die Marler Tafel e.V. gespendet. Sie kamen in die vorweihnachtlichen Nahrungsmittelspenden für Familien mit Kindern.

Zeitungsartikel

So schließt sich der Kreis. Für uns ist klar: Spenden brauchen nicht immer in exotische ferne Länder gehen. Wir werden uns mehr für die Bedürftigen direkt vor unserer Haustür kümmern. Sie sind leider nicht so plakativ wie die Bilder auf den Werbebroschüren der Spendenunternehmen. Daher wird deren Leid oft übersehen.

Unser Aufruf: Schau, welche Lebensmittel du in deinen Schränken und im Keller findest, die dort schon viel zu lange stehen und über die sich Bedürftige sehr freuen würden. Gerade jetzt in den Monaten nach Weihnachten, wenn das Spenden nicht mehr in aller Munde ist, sind die Regale bei den Tafeln e.V. wieder leer.

Eure Nicole

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